EZB-Studie: Wechselkurs-Kommunikation kaum wirksam
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EZB-Studie: Wechselkurs-Kommunikation kaum wirksam

Eine neue EZB-Studie untersucht die Wirksamkeit der Wechselkurs-Kommunikation der Zentralbank seit 2002. Das Ergebnis: Die Effekte auf den Euro-Wechselkurs sind begrenzt und verblassen schnell.

Skeptische Sicht bestätigt: Kaum Wirkung auf Euro

Eine neue Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) untersucht die Wirksamkeit ihrer Wechselkurs-Kommunikation seit 2002.

Sie kontrastiert die skeptische Ansicht, dass solche Äußerungen kaum Einfluss haben, mit der optimistischen Erwartung einer gezielten Wirkung.

Die Analyse von fast 100 offiziellen EZB-Statements zeigt, dass die EZB den Wechselkurs tendenziell erwähnt, wenn der reale effektive Wechselkurs von seinem Gleichgewichtswert abweicht.

Journalistenfragen reagieren hingegen primär auf den nominalen Wechselkurs.

Die Ergebnisse stützen die skeptische Sichtweise: Nach Bereinigung um geldpolitische Schocks hat die Wechselkurs-Kommunikation nur begrenzte, schnell verblassende Effekte auf den Euro-Wechselkurs.

'Solche Bewegungen sind unerwünscht und für das Wirtschaftswachstum nachteilig', sagte der damalige EZB-Präsident Trichet im Januar 2005.

Diese Wirkung ist besonders eingeschränkt, wenn die Zinsen an ihrer effektiven Untergrenze liegen.

Die Studie betont die Dominanz geldpolitischer Schocks als Treiber der Wechselkurse.

Hinter den Kulissen der EZB-Kommunikation

Zentralbank-Kommunikation dient als wichtiges geldpolitisches Instrument, um über Maßnahmen, den Wirtschaftsausblick und die Implikationen von Wechselkursentwicklungen zu informieren.

EZB-Präsidentin Lagarde betonte im Juli 2022, dass höhere Inflationsdrücke 'aus der Abwertung des Euro-Wechselkurses resultierten'.

Die Studie untersuchte, welche Faktoren die EZB zu Wechselkurs-Erwähnungen veranlassen und welche Journalistenfragen auslösen.

Während die EZB auf fundamentale Abweichungen des realen effektiven Wechselkurses reagiert, sind Journalisten eher am nominalen Wechselkurs interessiert.

Die Analyse kontrollierte dabei für geldpolitische Schocks und andere makroökonomische Daten, um die reinen Effekte der Kommunikation zu isolieren.

Worte ohne Gewicht

Die Studie liefert eine ernüchternde Erkenntnis: Verbale Interventionen der EZB haben kaum Einfluss auf den Euro-Wechselkurs.

Dies unterstreicht, dass Märkte primär auf konkrete geldpolitische Maßnahmen und Zinsentscheidungen reagieren, nicht auf rhetorische Hinweise.

Für die EZB bedeutet dies, sich auf ihre Kerninstrumente zu konzentrieren, anstatt auf die Lenkung von Währungskursen durch Kommunikation zu setzen.

Quelle: ECB exchange rate communication

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