EZB-Stellungnahme: Vereinfachte Nachhaltigkeitsstandards gefährden Transparenz
Die EZB-Mitarbeiter begrüßen die Vereinfachung der Europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS). Gleichzeitig äußern sie Bedenken, dass zu viele Ausnahmen die Transparenz und Datenvergleichbarkeit gefährden.
Balanceakt zwischen Vereinfachung und Transparenz
Die EZB-Mitarbeiter würdigen die deutliche Vereinfachung der überarbeiteten Europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS).
Die Standards sind fokussierter und ihre interne Struktur wurde gestrafft, was die Anwendung erleichtert.
Insbesondere profitieren Berichtsunternehmen und Nutzer von der klaren Unterscheidung zwischen Offenlegungspflichten und methodischen Anweisungen.
Trotz dieser Verbesserungen identifiziert die EZB drei kritische Punkte: Erstens, die Einführung zahlreicher dauerhafter Erleichterungen, Übergangsfristen und Ausnahmen wird die Verfügbarkeit aussagekräftiger Daten und deren Vergleichbarkeit erheblich einschränken.
Zweitens, trotz Fortschritten bei der Interoperabilität mit internationalen Standards wie IFRS/ISSB, bestehen kritische Abweichungen, insbesondere durch zusätzliche Erleichterungen.
Drittens, es bedarf weiterer Klarstellungen, um die Eignung der ESRS für aussagekräftige Offenlegungen im Finanzsektor sicherzustellen.
Nachhaltigkeitsdaten als Fundament für Stabilität
Physische und transitorische Risiken aus Klima- und Naturkrisen haben weitreichende Folgen für die Preis- und Finanzstabilität.
Hochwertige Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen sind daher entscheidend, um wirtschaftliche Auswirkungen und finanzielle Risiken auf systemischer Ebene sowie bei einzelnen Unternehmen und Banken effektiv zu überwachen.
ESRS-Offenlegungen ermöglichen es der EZB, klimabezogene und naturbezogene Risiken bei der Erfüllung ihrer Mandate in der Bankenaufsicht, Finanzstabilität, Geldpolitik und Statistik angemessen zu berücksichtigen.
Auch für Banken sind verlässliche Nachhaltigkeitsinformationen unerlässlich, um die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden zu bewerten, Produkte zu bepreisen und Sicherheiten zu beurteilen.
Transparenz in Gefahr
Die begrüßte Vereinfachung der ESRS birgt durch die Vielzahl an Erleichterungen das Risiko, den eigentlichen Zweck der Standards zu untergraben: die Bereitstellung vergleichbarer und verlässlicher Daten.
Dies könnte eine effektive Risikosteuerung und den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft behindern, wodurch die Standards weniger wirksam als beabsichtigt werden.
Die Bedenken der EZB verdeutlichen eine kritische Spannung zwischen der Reduzierung des Regulierungsaufwands und dem Bedarf an robusten Daten für die Finanzstabilität.