Aufsicht: Vor-Ort-Prüfungen mindern Gewerbeimmobilienrisiken nachhaltig
ECB Paper Read in English

Aufsicht: Vor-Ort-Prüfungen mindern Ge­wer­beim­mo­bi­li­en­ri­si­ken nachhaltig

Eine neue EZB-Studie bewertet die Wirksamkeit von Aufsichtsaktivitäten bei der Minderung von Kreditrisiken aus Gewerbeimmobilien. Vor-Ort-Prüfungen führen demnach zu anhaltenden Verbesserungen, während gezielte Überprüfungen kurzfristige Effekte zeigen.

Das Paradox der Aufsichtswirkung

Eine neue EZB-Studie bewertet die Wirksamkeit von Aufsichtsaktivitäten bei der Minderung von Kreditrisiken aus Gewerbeimmobilien (CRE).

Die Forscher untersuchten zwei Instrumente: Vor-Ort-Prüfungen (OSIs), die tiefgehende Bewertungen von Risikobereitschaft und internen Kontrollen ermöglichen, aber selektiv angewendet werden; und gezielte Überprüfungen (TRs), die weniger invasiv sind, aber breiter eingesetzt werden können.

Basierend auf vertraulichen vierteljährlichen Aufsichtsdaten großer Banken im Euroraum (2020-2024) zeigt die Studie, dass OSIs zu einem anhaltenden Anstieg der Deckungsquoten führen, der mindestens acht Quartale andauert.

TRs hingegen sind mit sofortigen, aber kurzlebigen Verbesserungen verbunden, die nach zwei Quartalen abklingen.

Die Ergebnisse heben die komplementäre Natur der beiden Instrumente hervor, die unterschiedliche Reichweiten und Wirkungen haben.

CRE als Schwachstelle im Fokus

Der Gewerbeimmobiliensektor (CRE) hat sich in Europa aufgrund steigender Zinsen, struktureller Nachfrageänderungen und regulatorischer Anpassungen als Schwachstelle erwiesen.

Dies erhöht den Druck auf Banken mit großen CRE-Portfolios, weshalb die EZB den CRE-Sektor 2021 zur zentralen Aufsichtspriorität erklärte.

Die Studie misst die Auswirkungen der Aufsichtsinterventionen auf die CRE-spezifische Deckungsquote der Banken.

Diese Kennzahl verknüpft die Qualität der Vermögenswerte einer Bank mit ihrer Fähigkeit zur Verlustabsorption.

Die Ergebnisse sind als robuste bedingte Assoziationen zu verstehen, da Aufsichtsinterventionen risikobasiert und nicht zufällig zugewiesen werden.

Gezielte Wirkung, begrenzte Kausalität

Die Studie liefert erstmals empirische Belege für die differenzierte Wirksamkeit von Vor-Ort-Prüfungen und gezielten Überprüfungen.

Methodisch bleibt sie jedoch auf 'robuste bedingte Assoziationen' beschränkt, was kausale Schlüsse erschwert und die Generalisierbarkeit einschränkt.

Für die Praxis bedeutet dies eine Bestätigung des dualen Ansatzes, aber auch die Notwendigkeit, die Instrumente gezielt und komplementär einzusetzen, um nachhaltige Effekte zu erzielen.