Greenium: EZB-Studie zeigt doppelte Wirkung von Umwelt-Score
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Greenium: EZB-Studie zeigt doppelte Wirkung von Umwelt-Score

Investoren bewerten grüne Anleihen zweistufig: Nicht nur das Label zählt, sondern auch der Umwelt-Score des Emittenten und die Qualität des Projekts. Eine neue EZB-Studie beziffert das Greenium auf bis zu 16 Basispunkte.

Mehr als nur ein grünes Label

Investoren bewerten grüne Anleihen differenziert, so eine neue Studie der Europäischen Zentralbank (EZB).

Ein Greenium von 16 Basispunkten wird allein für das grüne Label einer Anleihe gewährt.

Dieses Premium verdoppelt sich jedoch nahezu, wenn der Emittent einen Umwelt-Score im oberen Drittel der Verteilung aufweist.

Auch zertifizierte grüne Anleihen erzielen ein zusätzliches Greenium von rund 15 Basispunkten.

Dieser zweistufige Preisbildungsmechanismus verstärkt sich zudem in Phasen erhöhter Klimawandel-Unsicherheit, wobei das angepasste Greenium auf bis zu 44 Basispunkte ansteigen kann.

Die Studie analysierte rund 9.500 grüne und 250.000 traditionelle Anleihen aus 73 Ländern.

Anreize für den Klimaschutz

Eine wichtige politische Implikation der Analyse ist, dass selbst Unternehmen ohne Spitzen-Umweltleistung einen Preisvorteil beim Begeben einer grünen Anleihe erzielen können, sofern das zugrunde liegende grüne Projekt überzeugend ist.

Dies schafft Anreize für klimafreundliche Investitionen.

Die Autoren warnen davor, dass höhere Finanzierungskosten für emissionsstarke Unternehmen diese dazu ermutigen könnten, umweltschädliche Technologien beizubehalten, anstatt auf sauberere Alternativen umzusteigen.

Grüne Anleihen haben sich im letzten Jahrzehnt von Nischeninstrumenten zu einem weit verbreiteten Finanzierungsinstrument entwickelt, mit einer kumulierten Emission von über 3 Billionen US-Dollar bis 2024.

Grün ist nicht gleich grün

Die EZB-Studie liefert eine differenzierte Sicht auf den Greenium-Mechanismus und bestätigt dessen Existenz jenseits einfacher Labels.

Sie unterstreicht die Notwendigkeit einer tiefergehenden Bewertung von Emittenten und Projekten, um echte Nachhaltigkeitswirkungen zu erzielen.

Für die Praxis bedeutet dies, dass der Markt reifer wird und Investoren genauer hinschauen, was als 'grün' gilt.