Neue Methode misst Liquiditäts-Sensitivität von Geldmarktzinsen
Eine neue Methode ermöglicht die Echtzeit-Messung der Sensitivität von Geldmarktzinsen gegenüber überschüssiger Liquidität im Euroraum. Die Analyse der EZB-Ökonomen berücksichtigt sowohl gesicherte als auch ungesicherte Marktsegmente.
Komplexes Zusammenspiel von Reserven und Zinsen
Das Verständnis der Nachfrage nach Zentralbankreserven durch Geschäftsbanken ist für die Geldpolitik entscheidend.
Die Beziehung zwischen Zentralbankreserven und Geldmarktzinsen ist nicht-linear: Sie ist flach bei sehr niedrigen oder sehr hohen Reservemengen und fällt in einem mittleren Bereich ab.
Eine neue Methode, ursprünglich von der Federal Reserve Bank of New York entwickelt, ermöglicht die Echtzeit-Schätzung der zeitlich variierenden Elastizität der Euro-Geldmarktzinsen gegenüber überschüssiger Liquidität.
Diese wird auf den Euro Short-Term Rate (€STR) und die Euro General Collateral Repo-Sätze angewendet, um ein umfassendes Bild der Liquiditätsdynamik zu erhalten.
Methodische Herausforderungen wie Endogenität und Verschiebungen der Nachfragekurve werden dabei berücksichtigt.
Robuste Methode enthüllt geringe Sensitivität
Die von Afonso et al. (2025) entwickelte Methode schätzt die lokale Steigung der Nachfragekurve täglich und ist invariant gegenüber Verschiebungen der Kurve.
Sie löst zudem Endogenitätsprobleme.
Bislang gibt es keine statistisch signifikanten Anzeichen für eine erhöhte Zinssensitivität gegenüber Liquiditätsbedingungen im Euroraum.
Nach den Liquiditätsoperationen von 2008 stabilisierten sich ungesicherte Marktzinsen schnell.
Nur 2013/14 und zu Beginn der COVID-19-Pandemie zeigte sich eine temporär signifikant negative Elastizität.
In anderen Perioden, insbesondere während der EZB-Anleihekaufprogramme, blieben die Liquiditätsbedingungen reichlich, was die Geldmarktzinsen weitgehend unempfindlich machte.
Euroraum: Ein Sonderfall bei der Liquidität
Die Studie zeigt, dass der Euroraum bei der Liquiditätssensitivität der Geldmarktzinsen einen eigenen Weg geht.
Während die USA und Großbritannien bereits auf schwindende Reserven reagieren, bleibt die Eurozone bislang weitgehend unbeeindruckt.
Dies unterstreicht die Notwendigkeit präziser Echtzeit-Instrumente zur Früherkennung von Liquiditätsveränderungen, um auf zukünftige Marktentwicklungen vorbereitet zu sein.