EZB analysiert Wechselwirkung von Geld- und Finanzstabilität
Ein neues Diskussionspapier der Europäischen Zentralbank (EZB) beleuchtet die Wechselwirkungen zwischen Geldpolitik und Finanzstabilität. Es stellt ein konzeptionelles Rahmenwerk und quantitative Modelle zur Analyse dieser Trade-offs vor.
Geldpolitik und Finanzstabilität: Ein komplexes Zusammenspiel
Geldpolitik und Finanzstabilität sind eng miteinander verbunden.
Ein stabiles Finanzsystem ist essenziell für die effektive Transmission der Geldpolitik und die Preisstabilität, während die Geldpolitik selbst Finanzierungskosten, Verschuldungsentscheidungen und Risikobereitschaft beeinflusst.
Makroprudenzielle Instrumente, wie Basel III und verbesserte Aufsicht, sind zwar die erste Verteidigungslinie gegen finanzielle Ungleichgewichte.
Dennoch muss die Geldpolitik ihre Nebenwirkungen auf die Finanzstabilität berücksichtigen, insbesondere bei Spillover-Effekten auf Nichtbanken oder bei übermäßigem Verhalten von Haushalten und Investoren.
Die EZB hat dies in ihrer geldpolitischen Strategieüberprüfung 2021 explizit integriert, um die Interdependenz zwischen ökonomischer und monetär-finanzieller Analyse zu betonen.
Kurzfristige Trade-offs entstehen bei hoher Inflation und Finanzstress; mittelfristige, wenn die Inflation niedrig ist, aber sich Risiken im Finanzsystem aufbauen.
Quantitative Werkzeuge zur Messung von Trade-offs
Zur Quantifizierung der Trade-offs zwischen Preis- und Finanzstabilität dokumentiert das Diskussionspapier vier Hauptgruppen von Modellen.
Diese umfassen Zeitreihenmodelle, Bilanzmodelle, Kreditrisikomodelle sowie DSGE-Modelle mit Banken- und Finanzfriktionen.
Der Composite Indicator of Systemic Stress (CISS) dient als zentraler Indikator für systemischen Stress im Euroraum.
Er aggregiert 15 marktbasierte Finanzstressindikatoren aus verschiedenen Segmenten wie Geld-, Aktien- und Anleihemärkten.
Hohe CISS-Werte signalisieren weit verbreiteten Stress, was die Systemrelevanz der Finanzinstabilität betont.
Die EZB arbeitet kontinuierlich an der Erweiterung dieses Analyse-Instrumentariums.