EZB-Studie: Greenium verdoppelt sich bei Top-Emittenten
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EZB-Studie: Greenium verdoppelt sich bei Top-Emittenten

Eine neue Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt, dass grüne Anleihen nicht nur durch ihr Label, sondern auch durch die Umweltleistung des Emittenten einen Preisvorteil erzielen. Das 'Greenium' kann sich bei Top-Emittenten verdoppeln.

Preisvorteil durch Label und Score

Eine empirische Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) belegt, dass grüne Anleihen einen signifikanten Preisvorteil, das sogenannte 'Greenium', aufweisen.

Die Baseline-Analyse identifiziert ein Greenium von 16 Basispunkten allein für das grüne Label.

Dieser Vorteil verdoppelt sich nahezu, wenn der Emittent über eine Umweltbewertung (E-Score) im oberen Drittel der Verteilung verfügt.

Für zertifizierte grüne Anleihen wird ein zusätzliches Greenium von rund 15 Basispunkten festgestellt.

Die Untersuchung basiert auf Daten von etwa 9.500 grünen Anleihen aus 73 Ländern und einem Vergleichssample von über 250.000 traditionellen Anleihen aus 145 Ländern.

Die Ergebnisse helfen, divergierende Schätzungen in der Literatur zu harmonisieren und betonen die Bedeutung, über das reine Label hinauszuschauen.

Wachstum und Wirkmechanismen

Grüne Anleihen haben sich in den letzten zehn Jahren von Nischeninstrumenten zu einem weit verbreiteten Finanzierungsinstrument entwickelt, mit einem kumulierten Emissionsvolumen von über 3 Billionen US-Dollar im Jahr 2024, gegenüber weniger als 200 Emissionen im Jahr 2014. Die Studie zeigt, dass der zweistufige Preismechanismus in Zeiten erhöhten Klimawandel-Stresses signifikant an Stärke gewinnt.

In solchen Phasen weitet sich das emittentenbereinigte Greenium auf rund 44 Basispunkte aus und wird vorübergehend auch Emittenten im mittleren Segment zugesprochen.

Investoren belohnen demnach sowohl die Verwendung der Erlöse für grüne Projekte als auch die Klima-Identität des Kreditnehmers, und dies aggressiver, wenn Klimarisiken zunehmen.

Anreize für den Klimaschutz

Die Studie liefert wichtige Impulse für die Klimapolitik.

Selbst Unternehmen ohne Top-Umweltleistung können einen Preisvorteil erzielen, sofern das zugrundeliegende grüne Projekt überzeugend ist.

Dies schafft Anreize für breitere klimafreundliche Investitionen und verhindert, dass hohe Finanzierungskosten emissionsstarke Firmen an umweltschädlichen Technologien festhalten lassen.

Eine vollständige Dekarbonisierung erfordert demnach mehr als nur eine Portfolioverschiebung zu emissionsarmen Unternehmen.