Fiskalpolitik: Netzwerkeffekte und Haushalte bestimmen Wirkung
Die Wirkung von Fiskalpolitik hängt entscheidend von Produktionsnetzwerken und dem Konsumverhalten der Haushalte ab. Ein EZB Working Paper zeigt, wie diese Interaktion fiskalische Impulse verstärken oder abschwächen kann.
Netzwerkeffekte: Verstärker oder Dämpfer?
Ein neues EZB Working Paper untersucht, wie sich sektorale Fiskalpolitik in einer Ökonomie mit heterogenen Haushalten und Produktionsnetzwerken ausbreitet.
Die Autoren entwickeln ein multisektorielles Neukeynesianisches Modell, das Input-Output-Verknüpfungen mit unterschiedlichen marginalen Konsumneigungen (MPCs) der Haushalte verbindet.
Sie zeigen, dass Fiskalmultiplikatoren von der Position der Sektoren im Produktionsnetzwerk abhängen, da Netzwerkverbindungen Einkommen zwischen Haushalten mit heterogenen Konsumreaktionen umverteilen.
Die Interaktion zwischen heterogenen Konsumreaktionen und Produktionsnetzwerken ist nicht-additiv: Netzwerkverbindungen können die fiskalische Transmission entweder verstärken oder abschwächen, je nachdem, wie das Einkommen über die Haushalte umverteilt wird.
Fiskalpolitik ist am effektivsten, wenn Ausgaben auf arbeitsintensive, nachgelagerte Sektoren gerichtet sind, die einen großen Anteil an Haushalten mit hoher MPC beschäftigen.
Das Papier führt einen MPC-erweiterten Netzwerk-Multiplikator ein, der die Transmission fiskalischer Schocks charakterisiert.
Sektorale Multiplikatoren in den USA
Die Autoren kalibrieren ihr Modell auf die US-Wirtschaft und nutzen Daten der Survey of Consumer Finances, die erhebliche sektorale Unterschiede in Haushaltsbilanzen und im Anteil der 'Hand-to-Mouth'-Haushalte aufzeigen.
Die Ergebnisse belegen eine beträchtliche Variation der sektoralen Fiskalmultiplikatoren.
Beispielsweise erzielen Ausgaben im Groß- und Einzelhandel, einem Sektor mit vielen Haushalten mit hoher Konsumneigung, einen Multiplikator von etwa 1,2. Im Gegensatz dazu führen Ausgaben in Kommunikation und Finanzwesen zu einem Multiplikator unter eins.
Diese Differenzen wären in Modellen, die entweder die Haushaltsheterogenität oder die Produktionsnetzwerke ignorieren, weitgehend unsichtbar.
Dies unterstreicht das Risiko einer Fehlmessung fiskalischer Effekte, wenn diese Merkmale ausgelassen werden.
Komplexität statt einfacher Formeln
Die Studie liefert eine wichtige Mahnung an die Fiskalpolitik, sich von vereinfachten Aggregatmodellen zu lösen.
Sie zeigt auf, dass die Wirksamkeit von Staatsausgaben stark von der spezifischen Verteilung über Sektoren und Haushalte abhängt.
Für eine zielgerichtete und effektive Fiskalpolitik ist daher eine granulare Analyse unerlässlich.