Fiskalisches Seigniorage: Convenience Yields bestimmen Preisniveau in Währungsunion
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Fiskalisches Seigniorage: Convenience Yields bestimmen Preisniveau in Währungsunion

Eine neue EZB-Studie untersucht die Rolle von fiskalischem Seigniorage und Convenience Yields für die Preisniveaubestimmung in einer Währungsunion. Diese Erträge stützen das Preisniveau und können bei Nachfragerückgang zu Inflation und Vermögenstransfers führen.

Der Wert der Bequemlichkeit

Investoren schätzen Staatsanleihen bestimmter Länder wie Deutschland nicht nur wegen ihrer Rendite, sondern auch wegen ihrer Liquidität und Sicherheit – ein Phänomen, das als Convenience Yield bekannt ist.

Diese 'Bequemlichkeitserträge' ermöglichen es Regierungen, Schulden zu einem Premium zu begeben und generieren so zusätzliche Einnahmen: das fiskalische Seigniorage.

Die Studie untersucht, wie diese Erträge, ähnlich wie primäre Überschüsse und monetäres Seigniorage, das Preisniveau in einer Währungsunion stützen.

Insbesondere in der Eurozone, mit einer gemeinsamen Zentralbank und nationalen Fiskalbehörden, variieren die Convenience-Eigenschaften von Staatsanleihen erheblich zwischen den Mitgliedsländern.

Das Papier bietet einen Rahmen, um die Preisniveaubestimmung unter diesen heterogenen Bedingungen zu analysieren.

Vermögenstransfer und Preisdruck

Das Modell simuliert eine Währungsunion aus zwei Ländern mit einer gemeinsamen Zentralbank.

Nur die Staatsanleihen eines Mitgliedslandes bieten nicht-pekuniäre Vorteile, die deren Zinsen senken.

Im Gleichgewicht entspricht der reale Wert der öffentlichen Verbindlichkeiten der Summe aus primären Überschüssen, monetärem und fiskalischem Seigniorage.

Ein exogener Rückgang der Nachfrage nach Convenience Assets reduziert die Seigniorage-Einnahmen.

Dies erhöht den Preisdruck und führt zu einem Vermögenstransfer zwischen den Ländern, da das Land mit Convenience-Anleihen stärkere Einnahmeverluste erleidet.

Implikationen für die Eurozone

Diese Studie beleuchtet eine bisher wenig beachtete Dimension der Preisniveaubestimmung in Währungsunionen.

Die Erkenntnisse sind besonders relevant für die Eurozone, wo die Heterogenität der Staatsanleihen eine ständige Herausforderung darstellt.

Sie zeigen auf, wie fiskalische Entscheidungen und die Struktur der Staatsverschuldung direkte Auswirkungen auf Inflation und Vermögensverteilung haben können, selbst bei einer gemeinsamen Geldpolitik.