Elderson: Europas Wohlstand braucht tiefere Integration
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Elderson: Europas Wohlstand braucht tiefere Integration

EZB-Direktor Frank Elderson fordert eine tiefere europäische Integration, um Fragmentierung zu überwinden und Europas Wohlstand zu sichern. Bei einer Konferenz in Brüssel betonte er die Notwendigkeit strategischer Investitionen in die Zukunft.

Fragmentierung bremst Europas Potenzial

Genau 85 Jahre nach dem Ventotene-Manifest von Spinelli und Rossi diagnostiziert EZB-Direktor Frank Elderson Europas aktuelles 'Malaise': Fragmentierung, Spaltung und Nationalismus.

Diese verhindern, dass Europa sein volles Potenzial entfaltet und schaffen Nachteile gegenüber globalen Wettbewerbern.

Elderson betont, dass Fragmentierung die Wirksamkeit der Geldpolitik, die Effizienz der Bankenmärkte und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft beeinträchtigt.

Sie hindert europäische Unternehmen daran, zu skalieren und grenzüberschreitend zu wachsen.

Um das Blatt zu wenden, fordert Elderson 'mehr Europa': eine Vertiefung der Spar- und Investitionsunion, des Binnenmarktes und eine verstärkte Integration.

Dies sei der mächtigste Weg, um Herausforderungen wie schwaches Wachstum, externe Abhängigkeiten und die Klima- und Naturkrise zu bewältigen.

Die Frage sei nicht, wie viel Europa wir ertragen, sondern wie viel Europa wir zum Gedeihen brauchen.

Starke Banken, fragmentierte Märkte

Europas Banken sind heute widerstandsfähiger denn je: besser kapitalisiert, liquider und profitabler.

Diese Stärke ermöglichte es ihnen, in Krisenzeiten als Stabilitätsanker zu wirken und den Finanzfluss aufrechtzuerhalten.

Elderson betont, dass Resilienz kein Hemmschuh, sondern eine Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum ist.

Das eigentliche Problem sei die Fragmentierung der europäischen Bankenmärkte.

Rund 80 Prozent der Kredite werden national vergeben, grenzüberschreitende Fusionen sind rückläufig.

Dies verhindert Risikodiversifizierung und Skaleneffekte, was die Finanzierung großer, grenzüberschreitender Projekte erschwert.

Eine Vervollständigung des Binnenmarktes und der Bankenunion sei daher unerlässlich.

Ein Markt, ein Regelwerk, ein Ziel

Um die Fragmentierung zu überwinden, sind konkrete Schritte zur Finalisierung der Europäischen Einlagensicherung (EDIS) und ein starker EU-Rahmen für Liquidität in der Abwicklung entscheidend.

Zudem muss die Kapitalmarktunion vorangetrieben werden, um europäische Ersparnisse in produktive Investitionen zu lenken.

Gleichzeitig fordert Elderson eine Vereinfachung des Aufsichts- und Meldewesens, um Ressourcen für Innovation freizusetzen, ohne die Widerstandsfähigkeit der Banken zu gefährden.