Europas Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen gefährdet Preisstabilität
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Europas Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen gefährdet Preisstabilität

Europas Energieabhängigkeit erschwert zunehmend die Preisstabilität, so EZB-Direktor Frank Elderson. Der Übergang zu sauberer Energie würde die Verbindung zwischen volatilen globalen Märkten und Inlandspreisen schwächen.

Fossilflation: Ein Dilemma für Zentralbanken

Europas Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen bleibt eine kritische Schwachstelle.

Jüngste Energiepreisschocks haben enorme Ressourcen aus Europa abgeleitet, Notfallmaßnahmen ausgelöst und die öffentlichen Finanzen belastet.

Diese Kosten sind real, wiederkehrend und weitgehend verschwendet.

Die EZB hat das Mandat der Preisstabilität, doch wiederholte Energieschocks erschweren dieses Ziel zunehmend.

Die Invasion der Ukraine und der Konflikt im Nahen Osten führten zu Energiepreisanstiegen, die die Euro-Inflation im Oktober 2022 auf 10,6 Prozent trieben – ein Phänomen, das als 'Fossilflation' bezeichnet wird.

Dies stellt die Geldpolitik vor ein komplexes Dilemma: Eine Straffung zur Inflationsbekämpfung kann das Wachstum bremsen, während eine Lockerung zur Wachstumsförderung die Inflation verfestigen kann.

Wiederholte und hartnäckige Energieschocks stellen die Annahme in Frage, dass Zentralbanken temporäre Angebotsschocks ignorieren können, wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte.

Der doppelte Gewinn der Energiewende

Europa kann seine Anfälligkeit für geopolitische Risiken durch den Übergang zu heimischer, sauberer Energie erheblich reduzieren, was die Verbindung zwischen Inlandspreisen und volatilen globalen Energiemärkten schwächen würde.

Die Europäische Kommission schätzt jährliche Investitionen von rund 660 Milliarden Euro bis 2030.

Diese ersetzen jedoch Ausgaben für fossile Brennstoffimporte von fast 400 Milliarden Euro jährlich.

Die marginalen Produktionskosten für erneuerbare Energien sind strukturell niedriger, was langfristig Kosten senkt, das Wirtschaftswachstum fördert und die makroökonomische Stabilität stärkt.

Die Kosten des Nichtstuns

Die Energiewende erfordert zwar erhebliche Vorabinvestitionen und ein berechenbares politisches Umfeld.

Doch die dafür notwendigen Instrumente sind bereits vorhanden und müssen konsequent genutzt werden.

Die eigentliche Frage ist nicht, ob Europa sich die Energiewende leisten kann, sondern ob es sich leisten kann, sie nicht zu vollziehen.