Elderson: Vereinfachung statt Deregulierung für Banken
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Elderson: Vereinfachung statt Deregulierung für Banken

Frank Elderson, Mitglied des Direktoriums der EZB, betont die Notwendigkeit einer tieferen Integration des europäischen Bankensektors. Vereinfachung sei entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit, dürfe aber nicht zu Deregulierung führen.

Vereinfachung erhält Resilienz, Deregulierung schwächt sie

Frank Elderson, Mitglied des Direktoriums der EZB, betont die Notwendigkeit einer klaren Unterscheidung zwischen Vereinfachung und Deregulierung im Bankensektor.

Vereinfachung zielt darauf ab, die Resilienz zu erhalten und das regulatorische Rahmenwerk effizienter zu gestalten, ohne Kapitalanforderungen zu verändern.

Deregulierung hingegen würde die Widerstandsfähigkeit schwächen.

Es gehe nicht darum, Kapitalanforderungen zu erhöhen oder zu senken, sondern ein klareres und kohärenteres Rahmenwerk zu schaffen, das für Banken und Aufsichtsbehörden gleichermaßen effizienter ist.

Der Einheitliche Aufsichtsmechanismus (SSM) hat bereits eine umfassende Reformagenda zur "Next-Level-Supervision" initiiert, um unnötige Komplexitäten abzubauen.

Diese Maßnahmen erfordern keine Gesetzesänderungen und zeigen bereits Erfolge.

Beispielsweise wurden im ersten Quartal 2026 80 Prozent der einfachen kapitalbezogenen Entscheidungen durchschnittlich innerhalb einer Woche genehmigt.

Auch für einfache Verbriefungen konnten die Genehmigungszeiten von drei Monaten auf weniger als zehn Arbeitstage reduziert werden.

Der SSM überprüft zudem fast hundert Aufsichtsleitfäden, um sie zu straffen und zu konsolidieren.

Im Bereich der Stresstests arbeitet der SSM mit der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) zusammen, um die Berichterstattung zu optimieren.

Kürzlich veröffentlichte EBA-Vorlagen sollen die erforderlichen Datenpunkte um 55 Prozent reduzieren und damit die Compliance-Kosten senken.

Integration als Schlüssel zur Wett­be­werbs­fä­hig­keit

Europa benötigt jährlich rund 1,2 Billionen Euro an Investitionen, um seine grünen, digitalen und Verteidigungsziele im Zeitraum 2025-2031 zu erreichen.

Elderson betont, dass die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Finanzsystems entscheidend von einer tieferen Integration abhängt.

Europa leidet weiterhin unter fragmentierten Bankenmärkten: 80 Prozent der Bankkredite werden national vergeben, und grenzüberschreitende Fusionen sind rückläufig.

Diese Fragmentierung verhindert, dass Banken Skaleneffekte nutzen und die europäische Wirtschaft optimal unterstützen können.

Eine glaubwürdige Wettbewerbsagenda muss daher eine klare Roadmap zur Vollendung des Binnenmarktes umfassen.

Im Bankensektor bedeutet dies, dass der Euroraum als eine einzige Jurisdiktion für Finanzregulierung agieren sollte, in der Kapital und Liquidität innerhalb grenzüberschreitender Bankengruppen frei fließen können.

Elderson fordert synchronisierte Fortschritte bei den Kernelementen der Bankenunion, insbesondere konkrete Schritte hin zu einem Europäischen Einlagensicherungssystem, sowie tiefere Kapitalmärkte durch die Weiterentwicklung der Spar- und Investitionsunion.

KI-Modelle als Game Changer für Cyber-Risiken

Elderson warnt vor einer strukturellen Verschiebung der Cyber-Bedrohungslandschaft durch neue KI-Modelle.

Diese ermöglichen es einer breiteren Palette von Angreifern, komplexe Attacken mit größerer Geschwindigkeit und Präzision durchzuführen, was die Reaktionszeit der Verteidiger erheblich verkürzt.

Banken müssen daher strategisch und kontinuierlich in ihre operative Resilienz investieren, um ihre Kunden und kritischen Dienste auch bei zunehmenden Störungen durch diese fortschrittlichen Bedrohungen zu gewährleisten.

Quelle: Frank Elderson: Fireside chat

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