Elderson: Banken meistern Klimarisiken, aber Daten bleiben Herausforderung
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Elderson: Banken meistern Klimarisiken, aber Daten bleiben Herausforderung

Frank Elderson von der EZB zieht Bilanz zur Bankenaufsicht: Die meisten Institute managen Klimarisiken erfolgreich, doch bei der Datenaggregation gibt es noch Nachholbedarf. Er warnt zudem vor einer zunehmenden Wahrscheinlichkeit einer ungeordneten Klimatransition.

Klimarisiken: Erfolg durch Eskalation

Frank Elderson zieht eine positive Bilanz zum Management von Klima- und Naturrisiken im Bankensektor.

Nach einem mehrjährigen Ansatz mit Erwartungen (2020), Selbstbewertungen (2021) und Überprüfungen (2022) haben fast alle 110 beaufsichtigten Banken die Anforderungen erfüllt.

Nur zwei Institute benötigten letztlich keine periodische Strafzahlung.

Insgesamt erließ die EZB 32 formelle Entscheidungen, hauptsächlich für Materialitätsbewertungen.

Elderson betont, der proportionale Eskalationsansatz habe funktioniert und Banken zu zusätzlichen Investitionen und Ressourcen motiviert.

Über 90 Prozent der Banken betrachten diese Risiken nun als materiell.

Zudem wurde das SREP-Verfahren reformiert, um Befunde in vier Kategorien zu klassifizieren (F3/F4 als materiellste), was eine risikobasierte und effizientere Aufsicht ermöglicht.

Datenlücken und Deregulierungs-Debatte

Trotz Fortschritten bei Klimarisiken sieht Elderson weiterhin Handlungsbedarf bei der Aggregation und Meldung von Risikodaten (RDAR).

Banken wüssten um die Bedeutung, aber viele seien noch nicht schnell genug.

Die EZB werde die Eskalationsleiter nutzen, wobei periodische Strafzahlungen weder unmittelbar bevorstünden noch ausgeschlossen seien.

Elderson spricht sich zudem klar gegen eine Deregulierung aus: "Dies ist nicht die Zeit, solide Aufsichtsstandards abzubauen.

" Stattdessen setze die EZB auf Prozessvereinfachung bei gleichzeitiger Wahrung der Resilienz.

Er betont die Notwendigkeit, die Banken- und Kapitalmarktunion zu vollenden, um Europas Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Auch die schnelle Umsetzung der Fundamental Review of the Trading Book (FRTB) sei wichtig, um Klarheit für Banken zu schaffen und ein globales Level Playing Field zu gewährleisten.

Weckruf für Gesetzgeber

Elderson liefert eine nüchterne Bestandsaufnahme der Bankenaufsicht, die den Spagat zwischen Strenge und Pragmatismus verdeutlicht.

Seine Warnung vor einer zunehmend wahrscheinlichen ungeordneten Klimatransition ist ein klarer Appell an die Politik, da die EZB hier an ihre Mandatsgrenzen stößt.

Der Fokus auf Prozessvereinfachung bei gleichzeitiger Wahrung der Standards zeigt, dass die Aufsicht trotz aller Herausforderungen ihre Kernaufgaben nicht aus den Augen verliert.

Quelle: Frank Elderson: Interview with Bloomberg

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