Elderson: Klimarisiken sind Kernaufgabe der EZB
Frank Elderson, Vorstandsmitglied der EZB, betont die Rolle der Zentralbank bei der Berücksichtigung von Klimarisiken. Er fordert Banken auf, ihre Risikomanagement-Lücken zu schließen und die Lehren aus der Finanzkrise nicht zu vergessen.
Klimafolgen sind EZB-Kernaufgabe
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist kein Klimapolitiker, muss aber Klimarisiken für ihre Kernaufgaben berücksichtigen, so Vorstandsmitglied Frank Elderson.
Preis- und Finanzstabilität können nur gewährleistet werden, wenn die Auswirkungen der Klima- und Naturkrisen einbezogen werden.
Als Beispiel nannte Elderson die achtwöchige Unbefahrbarkeit des Rheins im Jahr 2022, die die Lebensmittelpreisinflation um 0,7 Prozentpunkte erhöhte.
Die Abhängigkeit Europas von fossilen Energien berge Risiken für die Preisstabilität.
Rechtlich sei die EZB zudem verpflichtet, die allgemeinen Wirtschaftspolitiken der EU zu unterstützen, wozu Klima- und Naturziele gehören.
Die EZB integriert bereits Klimaaspekte in ihre Wirtschaftsmodelle und bewertet Sicherheiten unter Berücksichtigung der Paris-Abkommen-Konformität.
Banken: Fortschritte, aber Lücken im Risikomanagement
Banken haben in den letzten fünf bis sechs Jahren erhebliche Fortschritte bei der Identifizierung und Steuerung ihrer klima- und naturbezogenen Risiken gemacht.
Während 2019 nur 25 Prozent der Banken diese Risiken ernsthaft betrachteten, hatten Ende 2024 fast alle der 112 direkt von der EZB beaufsichtigten Banken ihre Risiken adäquat erfasst.
Elderson lobte diesen Fortschritt, wies aber auf verbleibende Lücken hin: Einige Banken hätten kein vollständiges Bild aller Risiken, beispielsweise in bestimmten Ländern oder bezüglich des Verlusts der Biodiversität.
Die Aufsicht greife nicht in Kreditentscheidungen ein, verlange aber ein umfassendes Management der damit verbundenen Risiken, einschließlich Reputations- und Rechtsrisiken.
Alte Lehren, neue Herausforderungen
Die Finanzkrise von 2008 hat tiefe Spuren hinterlassen, doch die Banken sind heute dank strengerer Regulierung und europäischer Aufsicht wesentlich robuster.
Es ist entscheidend, diese Lehren nicht zu vergessen und einer Deregulierungswelle zu widerstehen, um das mühsam wiedergewonnene Vertrauen nicht zu verspielen.
Die Vollendung der Banken- und Kapitalmarktunion sowie die Schließung von Informationslücken bei Schattenbanken sind nun die drängendsten Aufgaben.
Quelle: Frank Elderson: Interview with NRC
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