Naturzerstörung bedroht Finanzstabilität: EZB-Studie warnt vor Bankrisiken
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Naturzerstörung bedroht Finanzstabilität: EZB-Studie warnt vor Bankrisiken

Eine neue EZB-Studie warnt vor erheblichen Risiken für die Finanzstabilität durch den Verlust von Biodiversität und die Degradation natürlicher Ökosysteme. Demnach sind 75 Prozent aller Unternehmenskredite im Euroraum stark von Ökosystemdienstleistungen abhängig.

Drei Viertel der Unternehmenskredite betroffen

Die Degradation natürlicher Ökosysteme stellt eine erhebliche Bedrohung für die Wirtschaft und Finanzstabilität dar, die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden nicht ignorieren können.

Eine aktuelle EZB-Studie analysiert die Abhängigkeiten von Unternehmen und Banken im Euroraum von Ökosystemdienstleistungen.

Die Ergebnisse zeigen, dass 75 Prozent aller Unternehmenskredite im Euroraum eine starke Abhängigkeit von mindestens einer Ökosystemdienstleistung aufweisen.

Dies betrifft über 4,2 Millionen einzelne Unternehmen mit einem Kreditvolumen von über 4,3 Billionen Euro.

Die Studie warnt, dass Kreditportfolios erheblich beeinträchtigt werden könnten, wenn die Naturzerstörung ihren aktuellen Trend fortsetzt, wobei sich größere Anfälligkeiten in bestimmten Regionen und Wirtschaftssektoren konzentrieren.

Physische Risiken im Fokus der Zentralbanken

Die Studie konzentriert sich auf physische Risiken, die durch akute Ereignisse wie Naturkatastrophen oder chronische Entwicklungen wie schwindende Ökosysteme entstehen können.

Beispiele sind sinkende Ernteerträge durch den Rückgang bestäubender Insekten oder die Degradation von Agrarland.

Diese Risiken können die Kreditwürdigkeit von Unternehmen schwächen.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und das Network for Greening the Financial System (NGFS) haben bereits die Notwendigkeit anerkannt, naturbezogene Finanzrisiken in die Mandate von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden einzubeziehen.

Frühere Studien der DNB, Banque de France und Bank of England zeigten ähnliche Abhängigkeiten in ihren jeweiligen Finanzsektoren.

Weckruf mit Handlungsbedarf

Die EZB-Studie liefert eine überfällige empirische Basis für die systemische Relevanz naturbezogener Risiken.

Sie bestätigt, dass der Verlust von Biodiversität nicht nur ein ökologisches, sondern ein akutes finanzielles Problem darstellt.

Um diese Risiken effektiv zu managen, sind jedoch dringend bessere Offenlegungsstandards und quantitative Risikomodellierungsrahmen erforderlich.