Digitalinvestitionen im Euroraum: Wachstum, Messung, US-Vergleich
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Digitalinvestitionen im Euroraum: Wachstum, Messung, US-Vergleich

Die Digitalinvestitionen im Euroraum sind stark gewachsen, insbesondere bei immateriellen Vermögenswerten. Eine EZB-Analyse zeigt jedoch eine deutliche Lücke zu den USA und beleuchtet die wirtschaftlichen Implikationen.

Immaterielle Werte treiben Digitalisierung voran

Die Investitionen in immaterielle Vermögenswerte, insbesondere Software, Datenbanken sowie Forschung und Entwicklung, machten Ende 2025 rund 80 Prozent der kumulativen Expansion der Unternehmensinvestitionen im Euroraum seit Ende 2019 aus.

Dies geschah, obwohl sie nur etwa zwei Drittel der Sachanlageninvestitionen ausmachen.

Eine präzise Messung digitaler Investitionen ist aufgrund fehlender detaillierter Aufschlüsselungen in den nationalen Konten schwierig.

Die EZB hat daher einen Proxy entwickelt, der auf jährlichen Eurostat-Daten bis 2024 basiert.

Dieser Proxy umfasst drei Elemente: physische digitale Infrastruktur (z.B. Rechenzentren), materielle digitale Investitionen (IKT-Ausrüstung) und immaterielle digitale Investitionen (Software, Datenbanken, F&E im Informations- und Kommunikationssektor).

Zwischen 2014 und 2024 übertraf das Wachstum der Digitalinvestitionen das BIP-Wachstum um mehr als das Dreifache, wobei immaterielle Investitionen den Löwenanteil ausmachten.

Produktionsdaten deuten auf eine Beschleunigung der Digitalinvestitionen im Jahr 2025 hin.

US-Vorsprung und künftige Herausforderungen

Obwohl die Digitalinvestitionen im Euroraum zwischen 2014 und 2025 um über 60 Prozent expandierten, fiel das Wachstum deutlich langsamer aus als in den Vereinigten Staaten.

Dort verdoppelten sich die Investitionen im gleichen Zeitraum, maßgeblich beschleunigt durch starke Zuwächse bei Rechenzentren im Jahr 2025.

Diese auffällige und sich vergrößernde Lücke zu den USA erfordert weitere Forschung, um zu klären, ob sie primär die geringere Größe europäischer Firmen, strukturelle Rigiditäten oder den US-'First-Mover'-Vorteil widerspiegelt.

Für die Zukunft wird ein anhaltendes Wachstum der Digitalinvestitionen erwartet, gefördert durch Risikokapital und EU-Initiativen wie den 'AI Continent Action Plan'.

Allerdings könnten unzureichende Energieversorgung, Fachkräftemangel oder Überregulierung eine weitere Beschleunigung behindern.

Auch enttäuschende Produktivitätsgewinne durch KI könnten die Nachfrage dämpfen.

Ein wichtiger Schritt, aber mit Lücken

Die EZB-Analyse beleuchtet ein zentrales Phänomen der europäischen Wirtschaft, indem sie trotz Datenlücken einen robusten Proxy für Digitalinvestitionen liefert.

Die aufgezeigte Wachstumsdynamik ist positiv, doch der deutliche Rückstand zu den USA signalisiert strukturelle Schwächen, die über die reine Investitionstätigkeit hinausgehen.

Für die Politik bedeutet dies, neben der Förderung von Investitionen auch die Rahmenbedingungen für Innovation und Skalierung europäischer Unternehmen kritisch zu hinterfragen.