Griechenlands Weg aus der Krise: Erfolge und offene Baustellen
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Griechenlands Weg aus der Krise: Erfolge und offene Baustellen

Griechenland hat eine beeindruckende wirtschaftliche Erholung hingelegt, doch die Transformation ist noch nicht abgeschlossen. Ein aktueller EZB-Blogbeitrag beleuchtet die Fortschritte und die verbleibenden Herausforderungen für nachhaltigen Wohlstand.

Banken wieder im Geschäft: Vom NPL-Sumpf zur Kreditvergabe

Griechenlands Banken haben sich seit der Krise der frühen 2010er Jahre bemerkenswert erholt.

Damals litten sie unter Verlusten bei Staatsanleihen, einem Anstieg fauler Kredite (NPLs) und einem starken Einbruch der Einlagen.

Durch Kapitalerhöhungen und Bilanzbereinigungen, unterstützt durch eine gestärkte Bankenaufsicht, gelang die Wende.

Das Hellenic Asset Protection Scheme (HAPS) spielte eine Schlüsselrolle, indem es den Banken half, bis 2025 rund 57 Milliarden Euro an NPLs zu verbriefen und zu verkaufen.

Stabilisierte makroökonomische Bedingungen und gestiegenes Vertrauen führten zu stärkerer Liquidität, höheren Gewinnen und besseren Kapitalpositionen.

Dadurch konnten griechische Banken Haushalte und Unternehmen wieder finanzieren, was Investitionen fördert.

Kredite an nicht-finanzielle Unternehmen sind deutlich gestiegen, Hypothekendarlehen erholen sich.

Die Kreditvergabestandards für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wurden stärker gelockert als für Großunternehmen.

Empirische Daten zeigen, dass sich der Kreditzugang für Kleinstunternehmen bis 2024 gegenüber 2019 verbessert hat, wobei der Nachteil für Kleinstunternehmen beim Kreditzugang verschwand.

Das Erbe der faulen Kredite

Ein Großteil der notleidenden Kredite (NPLs) Griechenlands befindet sich außerhalb des Bankensystems.

Bis Ende 2024 wurden im Rahmen des HAPS rund 57 Milliarden Euro an NPLs an ausländische Fonds übertragen, was etwa einem Drittel des griechischen BIP entspricht.

Die Bewältigung dieser enormen Menge bleibt eine große Herausforderung.

Obwohl Griechenland einen neuen Insolvenzrahmen und ein elektronisches Auktionssystem einführte, sind die Fortschritte langsam.

Strukturelle und institutionelle Hürden, wie Gerichtsrückstände und Lücken im Auktionssystem, verzögern die Schuldenvollstreckung.

Dies schließt Haushalte und Unternehmen mit ungelösten Schulden vom Bankkredit aus und begrenzt die Wachstumsfinanzierung.

Die staatlichen Garantien für diese Verbriefungen stellen zudem eine Eventualverbindlichkeit für die öffentlichen Finanzen dar.

Der Marathon geht weiter

Griechenlands beeindruckende Erholung ist unbestreitbar, doch die Transformation ist noch nicht abgeschlossen.

Die schleppende Bereinigung der notleidenden Kredite außerhalb des Bankensystems und die anhaltenden institutionellen Schwächen bremsen das volle Wachstumspotenzial.

Für eine nachhaltige Konvergenz der Lebensstandards sind daher weiterhin konsequente Reformen und eine Fokussierung auf produktivitätssteigernde Investitionen unerlässlich.