EZB-Analyse: Textbasierte Handelsunsicherheit braucht präzisere Messung
Textbasierte Indikatoren für handelspolitische Unsicherheit können durch Medienberichte und andere Faktoren verzerrt sein. Eine neue EZB-Analyse schlägt eine bereinigte Messgröße vor, um makroökonomische Effekte realistischer einzuschätzen.
Wenn Medien die Unsicherheit aufblähen
Die handelspolitische Unsicherheit ist angesichts höherer Zölle und Zollandrohungen erheblich gestiegen.
Dies erschwert die Einschätzung der globalen Wirtschaftsaussichten.
Textbasierte Indikatoren wie der TPU-Index von Caldara et al.
(2020) erfassen diese Unsicherheit, indem sie Presseartikel mit handels- und unsicherheitsbezogenen Schlüsselwörtern zählen.
Der Index erreichte im April 2025 ein historisches Hoch, als die zweite Trump-Regierung einen Basiszoll von 10 Prozent auf die meisten Importe verhängte.
Standardmodelle implizieren jedoch oft unplausibel große Effekte, da sie historische Beziehungen extrapolieren, die nicht mehr gelten.
Ein Grund ist die Konstruktion des TPU-Index selbst: Der April-Spike deutet darauf hin, dass ein sehr großer Anteil (rund 10 Prozent) aller Presseartikel Schlüsselwörter zur handelspolitischen Unsicherheit erwähnen, was auf eine Aufblähung durch erhöhte Medienaufmerksamkeit oder die Erwähnung von Handelspolitik im Kontext anderer Themen hindeutet.
Die Reinigung des Indikators
Die Verunreinigung textbasierter TPU-Indikatoren hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass die Medienberichterstattung über Handelspolitik mit breiterer Wirtschafts- oder Politikberichterstattung zusammenfällt.
Um diese störenden Einflüsse zu eliminieren, schlägt die EZB-Analyse eine alternative TPU-Messgröße vor.
Diese wird nicht von Grund auf neu konstruiert, sondern die unbereinigte Reihe wird indirekt bereinigt, indem sie auf eine Reihe von Stellvertretervariablen, eine Konstante und eine COVID-19-Pandemie-Dummy-Variable regressiert wird.
Diese Stellvertretervariablen kontrollieren für breite Unsicherheitsberichterstattung (z.B. allgemeine Wirtschaftspolitik, geopolitische Risiken, VIX, Ölpreisvolatilität) sowie für finanzielle oder Lieferkettenstress.
Auch tatsächliche Änderungen der Handelspolitik werden berücksichtigt.
Weniger Spektakel, mehr Realität
Die bereinigte Messgröße zeigt deutlich kleinere Ausschläge im Jahr 2025 und liefert plausiblere Schätzungen makroökonomischer Auswirkungen.
Sie ermöglicht die Konstruktion von Szenarien, die realistischere Prognosen für das BIP-Wachstum in den USA und weltweit ergeben.
Damit wird ein entscheidendes Werkzeug für eine fundierte geldpolitische Analyse geschaffen, das die Interpretation von Unsicherheitsschocks präzisiert und die Gefahr von Fehlannahmen reduziert.