Geopolitische Risiken prägen Konsumentenerwartungen
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Geopolitische Risiken prägen Kon­su­men­te­ner­war­tun­gen

Geopolitische Schocks beeinflussen die Inflations- und Wachstumserwartungen der Verbraucher. Eine EZB-Analyse zeigt, wie vergangene Erfahrungen die Reaktionen auf Konflikte in der Ukraine und im Iran verstärken.

Zwei Kriege, gleiche Ängste

Geopolitische Schocks beeinflussen die Inflations- und Wachstumserwartungen der Haushalte in der Eurozone.

Eine EZB-Analyse vergleicht die Reaktionen auf die Ukraine-Invasion 2022 mit denen auf den Iran-Krieg 2026.

Die Ergebnisse der Konsumentenerwartungs-Umfrage (CES) zeigen, dass wiederholte Schocks die Befürchtungen einer Stagflation verstärken, wobei kurzfristige Erwartungen besonders sensibel sind.

Im März 2026, nach Ausbruch des Iran-Krieges, stiegen die mittleren (medianen) Inflationserwartungen um etwa 2,5 (1,5) Prozentpunkte.

Gleichzeitig fielen die Wachstumserwartungen um rund 1,2 Prozentpunkte.

Obwohl die Verschiebung hin zu einem stagflationären Ausblick bisher weniger stark ausgeprägt ist als nach dem Ukraine-Krieg, begannen die Revisionen im März von einem bereits höheren Niveau aus als 2022.

Auch die dreijährigen Inflationserwartungen zeigten einen Anstieg von 0,87 (0,44) Prozentpunkten.

Die doppelte Narbe der Erfahrung

Haushalte tragen 'Narben' aus der Post-Pandemie- und Ukraine-bezogenen Inflation.

Diese Erfahrungen erhöhen die Sensibilität gegenüber neuen Schocks und verstärken stagflationäre Szenarien.

Die Erinnerung an die jüngste Inflation hat die Aufmerksamkeit der Verbraucher auf die Teuerung erneuert: Im Januar 2023 achteten fast die Hälfte der Befragten auf Preisänderungen.

Dieser Anteil sank bis August 2025 nur geringfügig auf 41 Prozent, selbst als die Inflation dem EZB-Ziel nahekam.

Nach Ausbruch des Iran-Krieges stieg die Aufmerksamkeit im März 2026 wieder auf fast 50 Prozent.

Diese erhöhte Sensibilität für Preisentwicklungen und die kontinuierliche Sorge vor geopolitischen Risiken prägen die Erwartungen der Verbraucher nachhaltig.

Vertrauen als Anker in unsicheren Zeiten

Diese Studie unterstreicht die fragile Natur von Konsumentenerwartungen in volatilen Zeiten.

Die EZB muss aktiv kommunizieren, um das Vertrauen zu stärken und eine Entankerung der Inflationserwartungen zu verhindern.

Nur so können die 'Narben' vergangener Krisen die aktuelle Geldpolitik nicht übermäßig belasten.