Seltene Erden-Exportkontrollen führen zu globalen Output-Verlusten und Inflation
Chinas Exportkontrollen für Seltene Erden könnten zu globalen Wirtschaftsverlusten führen. Eine neue EZB-Studie quantifiziert die potenziellen Auswirkungen auf Output und Inflation.
Chinas Dominanz als geopolitisches Instrument
Chinas Dominanz in der Lieferkette für Seltene Erden, insbesondere bei Raffination und Permanentmagnetproduktion, schafft strategische Abhängigkeiten.
Kurzlebige Exportkontrollen im April und Oktober 2025 demonstrierten Chinas Bereitschaft, diese Position als Teil einer umfassenderen geoökonomischen Strategie zu nutzen.
Dieses EZB Occasional Paper schließt eine analytische Lücke, indem es ein umfassendes Modell-Toolkit einsetzt, um die globalen makroökonomischen Folgen solcher Exportbeschränkungen zu bewerten.
Die Analyse kombiniert ein Partial-Gleichgewichts-Setup, ein DSGE-Modell und ein Multi-Country-Multi-Sector-Modell.
Die Ergebnisse deuten auf geschätzte Output-Verluste für die Vereinigten Staaten zwischen 0,3 und 0,6 Prozent hin, wobei die größten Auswirkungen in der Automobil- und Elektronikfertigung konzentriert sind.
Gleichzeitig entstehen in den importierenden Volkswirtschaften inflatorische Effekte durch höhere Inputkosten und Lieferengpässe.
Die Modellsimulationen unterstreichen zudem die Sensitivität der Ergebnisse gegenüber Annahmen zur Substituierbarkeit von Seltenen Erden und der Schwere der Beschränkungen.
Kritische Rohstoffe für High-Tech-Sektoren
Seltene Erden sind unverzichtbare Inputs für High-Tech- und sicherheitssensible Anwendungen wie Elektrofahrzeuge, erneuerbare Energien und Verteidigungssysteme.
Trotz ihres geringen Marktwertes ist ihre strategische Bedeutung überproportional, da sie schwer zu substituieren sind und eine vorgelagerte Position in globalen Wertschöpfungsketten einnehmen.
Frühere Exportbeschränkungen Chinas für kritische Mineralien (2010 und 2023) hatten begrenzte makroökonomische Auswirkungen.
Dies lag an praktischen und strategischen Zwängen Chinas sowie an innovationsgetriebener Substitution durch die Zielländer.
Dennoch bleibt die Androhung solcher Maßnahmen wirtschaftlich und geopolitisch relevant.
Das Papier bietet zudem politikrelevante Erkenntnisse für die wirtschaftliche Sicherheit und die Resilienz der Lieferketten.
Weckruf für die Resilienz
Die Studie bestätigt strategische Verwundbarkeiten durch die Abhängigkeit von Seltenen Erden, insbesondere in High-Tech-Sektoren.
Sie zeigt, dass selbst partielle, temporäre Beschränkungen erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben können, was die Notwendigkeit proaktiver politischer Reaktionen unterstreicht.
Die Ergebnisse betonen die Dringlichkeit von Maßnahmen wie Bestandsmanagement, technologischer Substitution und internationaler Koordination zur Stärkung der Lieferkettenresilienz.