Grüne Lieferketten in Gefahr: Entkopplung verursacht hohe Wirtschafts- und Umweltkosten
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Grüne Lieferketten in Gefahr: Entkopplung verursacht hohe Wirtschafts- und Umweltkosten

Eine neue EZB-Studie zeigt: Die Entkopplung grüner Lieferketten führt zu erheblichen wirtschaftlichen und ökologischen Kosten. Handelsbarrieren für umweltfreundliche Produkte können das globale Wohl um 3 Prozent mindern und Emissionen steigern.

Verzerrte Realität in Lieferketten

Die EZB-Studie führt eine neue Methodik zur Erhöhung der Granularität von Inter-Country Input-Output (ICIO)-Tabellen ein.

Bisherige Tabellen aggregieren grüne und nicht-grüne Produkte, was die Analyse von Handelsbarrieren für essenzielle Güter wie Elektrofahrzeuge oder Seltene Erden erschwert.

Die Autoren haben eine disaggregierte ICIO-Tabelle für 129 Produkte erstellt, die für die Energiewende entscheidend sind.

Simulationen eines hypothetischen Ost-West-Lieferketten-Decouplings zeigen erhebliche wirtschaftliche Kosten: Wohlfahrtsverluste von bis zu 3 Prozent und ein Rückgang des Handels zwischen den Blöcken um 20 Prozent.

Dies gilt selbst bei Berücksichtigung von Handelsumlenkungen über neutrale Länder.

Die Studie quantifiziert zudem, wie Handelsbarrieren in grünen Sektoren die Treibhausgasemissionen erhöhen und somit sowohl die wirtschaftliche Effizienz als auch die Klimaziele beeinträchtigen.

Klimaziele unter Druck

Die Analyse betont, dass sektorale Aggregation in Input-Output-Tabellen besonders relevant ist, wenn die aggregierten Güter schwer substituierbar sind.

Dies trifft auf viele grüne Produkte zu, deren Lieferketten bei Störungen verstärkt wirtschaftliche Schocks auslösen.

Die Studie unterstreicht die Bedeutung für politische Entscheidungsträger, die hohen wirtschaftlichen Kosten einer Handelsfragmentierung bei kritischen grünen Technologien zu berücksichtigen.

Die Methode kann auch auf andere Kategorien wie Dual-Use-Technologien oder Halbleiter angewendet werden, was die Modellierung gezielter Handelspolitiken in Zeiten erhöhter geopolitischer Risiken verbessert.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Nutzung von Standard-ICIO-Tabellen zu einer Unterschätzung der Auswirkungen führen kann.

Teure Illusion der Autarkie

Diese Studie ist ein wichtiger Weckruf für eine Handelspolitik, die geopolitische Ziele über Klimaziele stellt.

Sie entlarvt die Illusion, durch Entkopplung Sicherheit zu gewinnen, während die Kosten für Wirtschaft und Umwelt explodieren.

Die Ergebnisse fordern eine Neubewertung protektionistischer Maßnahmen, um den grünen Übergang nicht zu gefährden.