Wetterextreme: Deutschland und Spanien besonders betroffen
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Wetterextreme: Deutschland und Spanien besonders betroffen

Eine neue EZB-Studie zeigt, dass extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Kältewellen, Überschwemmungen und Dürren kurzfristige makroökonomische und sektorale Auswirkungen in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien haben. Deutschland ist besonders anfällig für Temperaturextreme, während Spanien am stärksten von Niederschlagsextremen betroffen ist.

Heterogene Effekte in den größten Volkswirtschaften

Die Analyse von Malin Andersson, Niccolò Battistini und Alina Bobasu dokumentiert erhebliche und heterogene Auswirkungen auf das reale BIP, den HVPI und die sektorale Aktivität über einen Zeitraum von einem Jahr.

Deutschland zeigt die stärkste Anfälligkeit für Hitzewellen, die vor allem Industrie- und Energiesektoren betreffen.

Spanien ist hingegen am stärksten von Überschwemmungen und Dürren betroffen, welche hauptsächlich den Bau- und Bergbausektor beeinträchtigen.

Die sektorale Zusammensetzung spielt eine Schlüsselrolle bei der Übertragung der Effekte, wobei Pharmazeutika, Elektrizität, Bau und Bergbau wiederkehrende Muster aufweisen.

Extreme Wetterereignisse können inflationären Druck ausüben, ohne die Aktivität zu beeinträchtigen, oder nachfrageseitige Effekte auf die Gesamtwirtschaft auslösen, mit unterschiedlichen Auswirkungen je nach Land.

Konkrete Auswirkungen auf Sektoren

Auf sektoraler Ebene zeigen sich gemeinsame Muster: Der Bausektor wird durch starke Regenfälle gestört.

Bergbau und energiebezogene Aktivitäten reagieren empfindlich auf Temperatur- und Niederschlagsextreme.

Die Strom- und Gasproduktion steigt bei Kältewellen aufgrund erhöhter Heiznachfrage.

Der Pharmasektor ist besonders anfällig für extreme Hitze, möglicherweise wegen seiner Abhängigkeit von temperaturempfindlichem Transport.

Frankreich und Italien erweisen sich als widerstandsfähiger, wobei Italien nach starken Regenfällen und Trockenperioden sogar temporäre Aktivitätssteigerungen durch Wiederaufbaumaßnahmen verzeichnet.

Klimarisiken neu bewerten

Diese Studie liefert eine überfällige empirische Basis für die kurzfristigen Auswirkungen von Wetterextremen.

Sie zwingt Prognostiker und Politiker, klimabezogene Risiken nicht länger als langfristiges Phänomen abzutun, sondern als akute Bedrohung für die Wirtschaftsaktivität zu begreifen.

Eine Stärkung der Widerstandsfähigkeit in exponierten Sektoren ist daher keine Option, sondern eine dringende Notwendigkeit.