EZB-Studie: Arbeitskräftehortung spiegelt Firmenerwartungen wider
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EZB-Studie: Arbeitskräftehortung spiegelt Firmenerwartungen wider

Unternehmen halten an ihrer Belegschaft fest, selbst bei schwächeren Geschäftsbedingungen. Eine EZB-Analyse zeigt: Diese Arbeitskräftehortung hängt eng mit den Erwartungen der Firmen an die Zukunft zusammen.

Nach der Energiekrise: Hortung bleibt über Vorkrisenniveau

Arbeitskräftehortung beschreibt das Phänomen, dass Unternehmen ihre Belegschaft trotz einer Verschlechterung der Geschäftsbedingungen – etwa durch geringere Nachfrage oder Profitabilität – beibehalten.

Der Indikator der EZB, der den Anteil solcher Firmen im Euroraum misst, erreichte im dritten Quartal 2022 mit fast 30 Prozent seinen Höhepunkt nach der Energiekrise.

Obwohl er seitdem auf 17 Prozent im dritten Quartal 2025 gesunken ist, liegt dieser Wert immer noch über dem Vorkrisendurchschnitt von 13 Prozent.

Der jüngste Rückgang ist hauptsächlich auf eine Normalisierung der Wirtschaftslage zurückzuführen, doch immer noch sind mehr Unternehmen von negativen Schocks betroffen als vor der Pandemie.

Weniger pessimistisch in die Zukunft

Die Entscheidung zur Arbeitskräftehortung spiegelt die Erwartungen der Unternehmen an künftige Geschäftsbedingungen wider.

Die EZB-Analyse unterteilt Firmen in drei Gruppen: jene ohne Verschlechterung der Bedingungen ('business as usual'), jene mit negativen Schocks, die aber nicht entlassen ('horten Arbeitskräfte'), und jene, die entlassen ('bauen Arbeitskräfte ab').

Während alle Gruppen mit Schocks niedrigere Umsätze und Investitionen erwarten, sind die 'Horter' weniger pessimistisch als die 'Abbauer'.

Dies unterstreicht die Bedeutung kurzfristiger Erwartungen für die Hortungsentscheidung.

Horten mit Folgen für Preise und Margen

Die Studie zeigt, dass Arbeitskräftehortung nicht ohne Folgen bleibt.

Unternehmen, die an ihrer Belegschaft festhalten, erwarten zwar höhere Arbeitskosten, können diese aber aufgrund schwächerer Nachfrage oder stärkeren Wettbewerbs nicht vollständig über höhere Verkaufspreise weitergeben.

Dies deutet auf einen potenziellen Margendruck hin, der Firmen zwingen könnte, andere Wege zur Kostensenkung zu suchen.