Geldpolitik wirkt über Hausratversicherung auf Immobilienmarkt
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Geldpolitik wirkt über Hausratversicherung auf Immobilienmarkt

Eine neue EZB-Studie zeigt einen bislang unbekannten Transmissionskanal der Geldpolitik auf. Kontraktive Geldpolitik erhöht die Preise für Hausratversicherungen, was den Immobilien- und Hypothekenmarkt beeinflusst.

Versicherer-Bilanzen als Verstärker der Geldpolitik

Eine neue Studie der EZB-Ökonomen Damast, Kubitza und Sørensen identifiziert einen neuartigen Transmissionskanal der Geldpolitik: über den Markt für Hausratversicherungen.

Kontraktive geldpolitische Schocks führen demnach zu höheren Preisen für Hausratversicherungen.

Dieser Effekt wird durch das Zusammenspiel von finanziellen Friktionen und der Zinssensitivität der Anlageportfolios der Versicherer angetrieben.

Zinserhöhungen reduzieren den Marktwert der Vermögenswerte von Versicherern, was deren Bilanzbeschränkungen verschärft und die Schattenkosten ihres Kapitals erhöht.

Diese Friktionen im Versicherungsangebot verstärken die Auswirkungen der Geldpolitik auf die Immobilien- und Hypothekenmärkte, indem sie Wohnraum weniger erschwinglich machen.

Die Studie zeigt, dass geldpolitische Schocks einen stärkeren Einfluss auf Hauspreise und Hypothekenanträge haben, wenn lokale Versicherer zinssensitiver sind.

Dieser Kanal ist besonders ausgeprägt in Gebieten mit hohem Klimarisiko.

Das Paradox der steigenden Prämien

Obwohl Finanzintermediäre eine zentrale Rolle spielen, ist der Beitrag des Versicherungssektors zur geldpolitischen Transmission bisher wenig verstanden.

Hausratversicherungen sind jedoch entscheidend für den Immobilienerwerb, da Banken sie für Hypotheken verlangen.

Die Forscher nutzen detaillierte Daten des US-Marktes für Hausratversicherungen und finden, dass ein geldpolitischer Schock von 1 Prozentpunkt zu einem Anstieg der Versicherungsprämien um 7 bis 9,6 Prozentpunkte führt.

Dieser Anstieg ist besonders ausgeprägt bei Versicherern mit niedrigen Kapitalquoten und zinssensitiven Portfolios, etwa durch hohe Anteile an marktbewerteten oder langlaufenden Vermögenswerten.

Die Friktionen im Versicherungsangebot verstärken die Effekte der Geldpolitik auf Hauspreise und Hypothekenanträge.

Versteckter Hebel mit Klimabezug

Diese Studie offenbart einen kritischen, bislang unterschätzten Transmissionskanal der Geldpolitik, der die Interdependenz von Finanzsektoren neu beleuchtet.

Besonders brisant ist die Erkenntnis, dass Haushalte mit Klimarisiko-Exposition über diesen Kanal stärker betroffen sind, was die soziale Dimension der Geldpolitik unterstreicht.

Für Zentralbanken bedeutet dies eine erweiterte Perspektive auf Finanzstabilität und die Notwendigkeit, den Versicherungssektor stärker in ihre Analysen einzubeziehen.