Zölle gefährden Unternehmensdynamik und langfristiges Wachstum
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Zölle gefährden Unternehmensdynamik und langfristiges Wachstum

Steigende Zölle belasten europäische Unternehmen und bremsen das Produktivitätswachstum. Ein EZB-Blogbeitrag warnt vor langfristigen Folgen für Innovation und Wirtschaftsdynamik im Euroraum.

Handelsschocks gefährden produktive Firmen

Die Unternehmensdynamik, definiert durch den ständigen Wandel von Markteintritten, Wachstum, Schrumpfung und Austritten, ist entscheidend für die Produktivität.

Durch 'kreative Zerstörung' ersetzen neue, effizientere Firmen ältere, weniger effiziente Wettbewerber.

Aktuelle Zollanhebungen setzen exportorientierte Unternehmen im Euroraum unter Druck, was die Ressourcenzuteilung ineffizienter macht und die Verbreitung neuer Technologien verlangsamt.

Eine Analyse detaillierter Firmendaten aus Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien von 2008 bis 2023 zeigt: Handelsschocks senkten die Expansionswahrscheinlichkeit und erhöhten das Austrittsrisiko von Firmen, besonders jener mit hoher US-Marktexposition.

Diese Firmen sind im Durchschnitt die produktivsten.

Unsicherheit lähmt Investitionen und Innovation

Über die direkten Auswirkungen hinaus verstärkt Unsicherheit die Effekte von Zöllen.

Wenn Unternehmen Handelsbedingungen und zukünftige Einnahmen nicht zuverlässig vorhersagen können, verzögern sie Investitionen und Expansionspläne.

Innovationen werden oft von riskanter Grundlagenforschung zu sichereren, inkrementellen Projekten verlagert, was den technologischen Fortschritt bremst.

Zudem können Lieferkettenstörungen, teure Reorganisationen, die Fragmentierung von Exportmärkten und der Verlust des Zugangs zu wichtigen Inputs die Produktionseffizienz untergraben.

All diese Kanäle verlangsamen Innovation, untergraben die Wettbewerbsfähigkeit und schwächen das potenzielle Wachstum.

Engerer Spielraum für die Geldpolitik

Ein verlangsamtes Produktivitätswachstum reduziert das potenzielle Output einer Volkswirtschaft und erhöht den Inflationsdruck.

Dies begrenzt den Spielraum für Zentralbanken, die Zinsen in Abschwüngen zu senken, da es den natürlichen Zins senkt.

Die EZB muss sich auf ein makroökonomisches Umfeld einstellen, das durch anhaltende Handelsspannungen anfälliger wird.