Krieg im Nahen Osten verändert Erwartungen von Euro-Firmen
Der Krieg zwischen den USA und Iran beeinflusst die Erwartungen der Unternehmen im Euroraum. Eine EZB-Umfrage zeigt einen sofortigen Anstieg der erwarteten Inputkosten, Verkaufspreise und kurzfristigen Inflation.
Kosten und Preise steigen sofort
Die wirtschaftlichen Schockwellen des Krieges zwischen den USA und Iran haben sich rasch in den Erwartungen der Unternehmen im Euroraum niedergeschlagen.
Tägliche Antworten einer EZB-Umfrage zeigen einen sofortigen Anstieg der erwarteten Inputkosten, Verkaufspreise und kurzfristigen Inflation.
Die SAFE-Umfrage (Survey on the Access to Finance of Enterprises) für das erste Quartal 2026, durchgeführt zwischen dem 19. Februar und 1. April, umfasste den Zeitraum des Kriegsausbruchs am 28. Februar.
Dies ermöglichte einen direkten Vergleich der Antworten von Firmen vor und nach dem Konflikt.
Vor dem Krieg erwarteten Unternehmen einen Anstieg der Verkaufspreise um 3,0 Prozent und der Inputkosten um 3,9 Prozent.
Nach dem 28. Februar stiegen diese Erwartungen deutlich an, auf bis zu 4,1 Prozent für Verkaufspreise und 7,7 Prozent für Inputkosten in den letzten Wochen der Erhebungsperiode.
Die Lohnkostenerwartungen sanken hingegen leicht von 3,0 auf 2,8 Prozent.
Energieintensive Sektoren im Fokus
Der Anstieg der Inputkostenerwartungen war nicht in allen Sektoren gleich.
Unternehmen in energieintensiven Branchen wie Bau und Transport erwarteten die schärfsten Kostensteigerungen.
Dies deutet auf eine enge Verbindung zu den energiepreisbedingten Schwankungen hin.
Die Umfrage zeigt auch, dass die kurzfristigen Inflationserwartungen für ein Jahr von 2,5 auf 3,0 Prozent stiegen, während die Erwartungen für drei und fünf Jahre unverändert blieben.
Dies deutet darauf hin, dass die Unternehmen den Inflationsimpuls als temporär einschätzen.
Auch die Erwartungen für die Geschäftstätigkeit und den Zugang zu Finanzierungen trübten sich ein.
Vor dem Krieg erwarteten 6 Prozent der Firmen eine Verbesserung der Kreditverfügbarkeit; nach dem Krieg rechneten 6 Prozent mit einer Verschlechterung.
Energiekanal als Haupttreiber
Die Studie bestätigt die zentrale Rolle des Energiepreises als Übertragungskanal für geopolitische Schocks.
Obwohl die kurzfristigen Erwartungen stark betroffen sind, signalisiert die Stabilität der Lohn- und längerfristigen Inflationserwartungen eine temporäre Natur des Schocks.
Für die Geldpolitik bedeutet dies eine aufmerksame Beobachtung, ohne jedoch sofortige, weitreichende Anpassungen der mittelfristigen Strategie zu erzwingen.