Schnabel: Eurozone hat Erfolge, braucht Wachstum
Isabel Schnabel, Vorstandsmitglied der EZB, betonte die Erfolge der Eurozone seit den Krisen, darunter makroökonomische und finanzielle Stabilität. Gleichzeitig mahnte sie, dass die Belebung des Wachstums die zentrale Herausforderung für die Zukunft darstellt.
Stabile Preise, robuste Banken
Isabel Schnabel hob die Fortschritte der Eurozone seit der globalen Finanz- und Staatsschuldenkrise hervor.
Ein zentraler Erfolg sei die Rückführung der Inflation auf das Zielniveau, ohne Rezession oder finanzielle Instabilität auszulösen.
Die HVPI-Inflation im Euroraum lag im März 2026 laut Schnellschätzung unter 3 Prozent.
Das BIP-Wachstum war im vierten Quartal 2025 positiv, die Arbeitslosenquote niedrig.
Dies unterstreicht die Resilienz der Wirtschaft.
Die Finanzmärkte haben sich zudem signifikant integriert.
Preis- und Mengenindikatoren zeigen eine zunehmende Konvergenz seit der Euro-Einführung, und die Spreads zehnjähriger Staatsanleihen über Deutschland sind seit den Krisen deutlich zurückgegangen.
Auch die Banken der Eurozone präsentieren sich mit soliden Kapitalquoten und verbesserter Profitabilität.
Die Tier-1-Kapitalquoten lagen im vierten Quartal 2025 auf hohem Niveau, und die Eigenkapitalrendite (RoE) zeigte eine positive Entwicklung, was die Stabilität des Finanzsystems untermauert.
Integration, Innovation, Souveränität
Trotz der Erfolge stehe die Eurozone vor der zentralen Herausforderung, das Wachstum wieder zu beleben.
Schnabel identifizierte drei Schlüsselbereiche: Integration, Innovation und Souveränität.
Integration erfordere den Abbau von Handelsschranken, um das Potenzial des Binnenmarktes voll auszuschöpfen und von Freihandelsabkommen zu profitieren.
Im Bereich Innovation betonte sie das Potenzial von Künstlicher Intelligenz (KI) und erhöhten Forschungs- und Entwicklungsausgaben, besonders im Verteidigungssektor, zur Steigerung der Produktivität.
Die Stärkung der Souveränität sei entscheidend, was eine Reduzierung von Abhängigkeiten, etwa durch den Ausbau erneuerbarer Energien und die Sicherung kritischer Rohstoffe, erfordere.
Die EZB selbst leiste einen Beitrag zu Innovation und Souveränität im Zahlungsverkehr durch TIPS-Verknüpfungen, tokenisiertes Zentralbankgeld und den digitalen Euro.
Der nächste Schritt ist der schwierigste
Die Eurozone hat ihre Resilienz eindrucksvoll bewiesen und große Krisen gemeistert.
Doch die "einfachen" Erfolge sind nun erzielt, und der Weg zu nachhaltigem Wachstum erfordert tiefgreifende strukturelle Reformen.
Die EZB kann im Zahlungsverkehr Impulse geben, doch die eigentliche Arbeit liegt bei den Mitgliedstaaten, die politische Einigkeit für mehr Integration und Innovation finden müssen.