Schnabel warnt vor fiskalischen Risiken durch Geopolitik und Demografie
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel beleuchtet die wachsenden fiskalischen Herausforderungen im Euroraum. Geopolitische Unsicherheiten und alternde Gesellschaften belasten die öffentlichen Haushalte zunehmend.
Fiskalische Lasten durch Demografie und Verteidigung
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hob die Dringlichkeit fiskalischer Anpassungen im Euroraum hervor.
Historisch ging in Deutschland eine niedrige Staatsverschuldung oft mit geringen öffentlichen Investitionen einher.
Nun stehen die Haushalte vor neuen Belastungen: Zusätzliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur, wie in den Bundesbank-Projektionen für 2025 und 2026 skizziert, stützen zwar das BIP-Wachstum, erhöhen aber auch die öffentliche Verschuldung.
Die Europäische Kommission prognostiziert für 2027 eine weitere Zunahme der Schuldenquote, abhängig von der Zusammensetzung der Ausgaben und der Einhaltung der Stabilitäts- und Wachstumspakt-Regeln.
Gleichzeitig belasten steigende Zinsausgaben und ein sich verlangsamendes Potenzialwachstum, insbesondere in alternden Gesellschaften, die Haushalte.
Schnabel betonte, dass diese Entwicklungen eine proaktive Fiskalpolitik erfordern, um die langfristige Tragfähigkeit zu sichern.
Euro als sicherer Hafen stärkt Stabilität
Trotz der fiskalischen Herausforderungen signalisieren konvergierende Spreads bei Staatsanleihen Vertrauen in die Stabilität des Euroraums.
Die Spanne zwischen den Renditen 10-jähriger Staatsanleihen und dem OIS-Satz hat sich seit der deutschen Fiskalankündigung im März 2025 verringert.
Zudem festigt der Euro seine Rolle als „sicherer Hafen“, was seine internationale Bedeutung stärkt.
Dies zeigt sich im Co-Movement von Finanzanlagen mit einem „Safe-Haven-Faktor“ sowie im Anteil des Euro an den globalen Währungsreserven, der im dritten Quartal 2025 stabil blieb.
Diese Entwicklung unterstreicht die Resilienz des Euroraums, erfordert jedoch weiterhin eine umsichtige Fiskalpolitik, um das Vertrauen der Märkte nicht zu gefährden und die Stabilität langfristig zu gewährleisten.
Fiskalische Weichenstellung jetzt nötig
Die Analyse von Isabel Schnabel macht deutlich, dass die fiskalischen Herausforderungen des Euroraums nicht länger aufgeschoben werden können.
Die Kombination aus demografischem Wandel, steigenden Verteidigungsausgaben und höheren Zinslasten erfordert eine sofortige und strategische Neuausrichtung der Haushaltspolitik.
Ohne entschlossenes Handeln drohen langfristig nicht nur höhere Schulden, sondern auch eine Erosion des Vertrauens in die Stabilität der Eurozone.