Schnabel: Stablecoins erfordern agile Zentralbank-Reaktion
ECB Speech Read in English

Schnabel: Stablecoins erfordern agile Zentralbank-Reaktion

EZB-Direktorin Isabel Schnabel zieht in Seoul Parallelen zwischen Geldmarktfonds und Stablecoins. Sie beleuchtet deren Risiken für Finanzstabilität und Geldpolitik und fordert agile Reaktionen der Zentralbanken.

Stablecoins: Alte Risiken im neuen Gewand

Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der EZB, analysiert die Parallelen und Unterschiede zwischen Geldmarktfonds und Stablecoins.

Sie betont, dass private monetäre Innovationen zwar erhebliche Vorteile bieten können, aber auch Finanzstabilitätsrisiken erhöhen, die geldpolitische Transmission beeinflussen und die internationale Währungsordnung verändern können.

Stablecoins sind privat ausgegebene digitale Token, die an Fiat-Währungen gekoppelt sind und typischerweise durch Portfolios traditioneller Vermögenswerte gedeckt werden.

Ihre rasche Verbreitung hat Fragen nach ihren Vorteilen und Herausforderungen aufgeworfen.

Schnabel fordert Zentralbanken und Regulierungsbehörden auf, Vorschriften, geldpolitische Umsetzung und Zahlungsinfrastruktur agil anzupassen, um Finanzstabilität und monetäre Kontrolle zu gewährleisten und die Rolle ihrer Währung im digitalen Zeitalter zu sichern.

Die Attraktivität von Stablecoins liegt hauptsächlich in ihrem Potenzial als effizientes Zahlungs- und Abwicklungsmittel, Funktionen, die Geldmarktfonds nicht bieten.

Historische Parallelen und neue Fragilitäten

Der Aufstieg der Geldmarktfonds in den 1970er Jahren in den USA, getrieben durch Regulierung Q, bot Anlegern liquide Alternativen zu Bankeinlagen mit höheren Renditen.

Diese Fonds führten zu einer Disintermediation der Banken, da Ersparnisse in Geldmarktfonds wanderten, was Banken zu einer stärkeren Abhängigkeit von volatileren Großhandelsfinanzierungen zwang.

Gleichzeitig profitierten Regierungen von einem breiteren Anlegerkreis.

Stablecoins teilen Merkmale mit Geldmarktfonds, indem sie in kurzfristige, sichere Vermögenswerte investieren und eine Rücknahme zum Nennwert anstreben, was ebenfalls zur Disintermediation von Banken beitragen kann.

Die Erfahrung mit Geldmarktfonds zeigte jedoch auch neue Schwachstellen, wie die Anfälligkeit für Runs, die sich 2008 nach dem Lehman-Kollaps manifestierte.

Regulierung unter Zeitdruck

Die Analyse von Schnabel unterstreicht die Dringlichkeit, mit der Zentralbanken auf die Herausforderungen durch Stablecoins reagieren müssen.

Obwohl private Innovationen Vorteile bieten, sind die potenziellen Risiken für Finanzstabilität und geldpolitische Kontrolle nicht zu unterschätzen.

Eine agile Anpassung von Regulierung und Infrastruktur ist entscheidend, um die Währungsordnung im digitalen Zeitalter zu sichern und systemische Schocks zu vermeiden.