Schnabel skizziert Wege zu Wachstum und Resilienz
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hat bei einem Wirtschaftsempfang in Münster Wege skizziert, wie Europa Wachstum und Resilienz stärken kann. Sie identifizierte geopolitische Risiken, demografischen Wandel und Innovationsschwäche als zentrale Herausforderungen.
Vier Hürden für Europas Zukunft
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel beleuchtete die drängendsten Herausforderungen für Europas Wirtschaft.
Geopolitische Verschiebungen, wie der Iran-Krieg im Februar 2026 und die April-Zölle 2025, haben die Unsicherheit im Handel und die geopolitischen Risiken deutlich erhöht.
Dies spiegelt sich im Rückgang des Exportmarktanteils der Eurozone seit 2010 wider, während China seinen Anteil ausbauen konnte.
Gleichzeitig dämpfen der demografische Wandel und der Klimawandel das potenzielle BIP-Wachstum, das bis 2035 voraussichtlich auf unter 1,0 Prozent sinken wird.
Klimafolgen könnten bis 2050 zu globalen BIP-Verlusten von bis zu 12 Prozent führen.
Die fiskalische Nachhaltigkeit wird durch steigende Verteidigungsausgaben und wachsende Zinslasten der Regierungen zusätzlich belastet.
Zudem fällt Europa bei Patentanmeldungen in Schlüsseltechnologien wie Biotechnologie, IKT, KI und grünen Technologien sowie bei Risikokapitalinvestitionen gegenüber den USA und China zurück.
Drei Säulen für ein widerstandsfähiges Europa
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, schlägt Schnabel drei zentrale Säulen vor: Integration, Innovation und Souveränität.
Eine tiefere Integration durch den Abbau interner und externer Handelsschranken birgt erhebliches Potenzial, wie die Bedeutung des Intra-EU-Handels zeigt.
Im Bereich Innovation können die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) und erhöhte F&E-Ausgaben im Verteidigungssektor das Produktivitätswachstum ankurbeln; KI könnte das TFP über zehn Jahre um 2 bis 4 Prozent steigern.
Schließlich erfordert die Stärkung der Souveränität eine Reduzierung kritischer Abhängigkeiten, etwa bei internationalen Kartensystemen, wo 68 Prozent des Volumens von internationalen Anbietern abgewickelt werden, sowie bei kritischen Rohstoffen und der Energieversorgung durch den Ausbau erneuerbarer Energien.
Weckruf für die europäische Zukunft
Schnabels Rede ist ein klarer Weckruf, der die Dringlichkeit struktureller Reformen in Europa unterstreicht.
Die Kombination aus externen Schocks und internen Schwächen erfordert ein entschlossenes Handeln über die Geldpolitik hinaus.
Ohne eine Stärkung von Integration, Innovation und Souveränität droht Europa, im globalen Wettbewerb weiter zurückzufallen.