Schnabel: Zinsen müssen weiter steigen
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Schnabel: Zinsen müssen weiter steigen

EZB-Direktorin Isabel Schnabel sieht trotz Nahost-Waffenruhe weiteren Zinsbedarf. Die Inflation sei noch nicht besiegt und erfordere zusätzliche Straffung.

Waffenruhe senkt Ölpreis, nicht die Wachsamkeit

EZB-Direktorin Isabel Schnabel warnt trotz der Nahost-Waffenruhe und gefallener Ölpreise vor voreiliger Entwarnung.

Kurzfristig zeige sich die Situation zwar besser als erwartet, doch die mittelfristigen Energiepreise blieben erhöht.

Gründe hierfür seien die Unsicherheit über die Dauerhaftigkeit des Friedensabkommens, mögliche Verzögerungen bei der Normalisierung globaler Lieferketten und die Notwendigkeit, strategische Öl- und Gasreserven wieder aufzufüllen.

Diese Faktoren hielten die Energiepreise hoch und die Unsicherheit groß.

Der Energiepreisschock habe sich zudem bereits auf andere Bereiche ausgeweitet.

Die Inflation bei Nicht-Energie-Waren und Dienstleistungen sei gestiegen, was auf Zweitrundeneffekte hindeute.

Bislang gebe es zwar keine Anzeichen für eine Beschleunigung des Lohnwachstums, doch die Erinnerung an die hohe Inflation könnte Erwartungen stärker beeinflussen.

Die jüngste Zinserhöhung sei daher notwendig gewesen, um zu verhindern, dass die erhöhten mittelfristigen Energiepreise zu weiteren Zweitrundeneffekten und einer noch höheren Inflation führen.

Ohne diese Maßnahme würde die Inflation mittelfristig über dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB bleiben, was dem Preisstabilitätsmandat widerspräche.

KI-Boom und Staatsausgaben stützen Konjunktur

Die Wirtschaft zeige sich trotz des Energiepreisschocks widerstandsfähig, unterstützt durch den KI-Boom und staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung.

Diese Faktoren könnten die Inflation mittelfristig anheizen.

Schnabel erläuterte die Wirkungsweise der Geldpolitik: Zinserhöhungen dämpften die Nachfrage, was Unternehmen weniger Spielraum für Preiserhöhungen lasse.

Die bisherige Anhebung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte sei noch moderat und nicht restriktiv.

Deutschland stehe vor umfassenden Reformen, da die Wirtschaft seit 2019 stagniere.

Strukturelle Faktoren wie Demografie, sinkende Wettbewerbsfähigkeit und die Notwendigkeit, bei Innovationen nicht den Anschluss zu verlieren, belasteten das langfristige Wachstum.

Reformstau bremst Potenzial

Schnabels Analyse verdeutlicht: Geopolitische Entspannung bedeutet keine automatische geldpolitische Lockerung.

Die EZB ist über ihr Mandat hinaus auf umfassende strukturelle Reformen in Deutschland und Europa angewiesen.

Ohne diese bleibt das Wachstumspotenzial begrenzt, was die Fähigkeit zur Bewältigung künftiger Schocks und zur Finanzierung öffentlicher Ausgaben einschränkt.

Quelle: Isabel Schnabel: Interview with Die Zeit

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