Schnabel: Zinserhöhung im Juni nötig
EZB-Direktorin Isabel Schnabel sieht eine Zinserhöhung im Juni als notwendig an. Der anhaltende und breite Inflationsschock erfordere eine entschlossene geldpolitische Reaktion.
Inflationsschock breitet sich aus
Die Inflation ist auf 3 Prozent gestiegen und wird laut Markterwartungen bis Jahresende auf 4 Prozent klettern.
EZB-Direktorin Isabel Schnabel hebt die Größe und Persistenz des Schocks hervor, da die Ölpreise über den März-Annahmen liegen und der Konflikt nicht schnell gelöst wurde.
Der Schock sei hartnäckiger als im ungünstigsten Szenario angenommen.
Es gibt zunehmende Anzeichen, dass sich der Schock auf andere Teile des Warenkorbs ausbreitet.
Steigende Verkaufspreiserwartungen von Unternehmen und höhere kurz- sowie mittelfristige Inflationserwartungen der Verbraucher deuten auf ein Risiko der Entankerung hin.
Lohnentwicklungen sind verzögert, doch Schnabel warnt davor, auf harte Daten zu warten.
Angesichts der Schockgröße ist ein 'Durchwinken' keine Option.
Eine geldpolitische Reaktion sei auch bei einem sofortigen Kriegsende nötig, da bereits viel Schaden entstanden ist.
Datenabhängig gegen den Trend
Schnabel sieht eine Zinserhöhung im Juni als notwendig an, betont aber die strikte Datenabhängigkeit der EZB ohne Vorfestlegung auf einen Zinspfad.
Für die Inflationsaussichten sei die zugrunde liegende Inflation entscheidend, da die Gesamtinflation durch Basiseffekte verzerrt werde.
Sie warnt vor erheblichen Aufwärtsrisiken für die Inflation von Nicht-Energie-Industriegütern.
Die Schwächung der Gesamtnachfrage sei allein nicht ausreichend, um die Inflation zum Ziel zurückzuführen.
Die Wachstumsprognose der EU-Kommission von 0,9 Prozent für dieses Jahr könnte angesichts der Schockpersistenz zu optimistisch sein.
Vertrauensindikatoren und PMI-Daten zeigen eine Verlangsamung, doch Investitionen in grüne, digitale und Verteidigungsbereiche sowie der globale KI-Boom stützen das globale Wachstum.
Klartext gegen die Trägheit
Schnabels Aussagen sind ein deutliches Signal für eine Zinserhöhung im Juni und eine klare Absage an jegliche Zögerlichkeit.
Sie unterstreicht die Notwendigkeit einer entschlossenen Reaktion auf den hartnäckigen Inflationsschock, selbst wenn dies das Wachstum bremst.
Die EZB-Direktorin positioniert sich damit als eine der 'Falken' im EZB-Rat und fordert konsequentes Handeln.
Quelle: Isabel Schnabel: Interview with Reuters
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