Schnabel: Energiepreise treiben Inflationsrisiken
Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Direktoriums, warnt vor hartnäckiger Inflation. Steigende Öl- und Gaspreise durch geopolitische Spannungen könnten die Teuerung wieder anfachen.
Geopolitik treibt Energiekosten
Die Öffnung der Straße von Hormus erfolgt nur schrittweise, was die Ölpreise voraussichtlich anhaltend hoch halten wird.
Die Ölpreis-Futures vom 25. Juni 2026 liegen deutlich über dem Vorkriegsniveau vom 27. Februar 2026, vor den US-Angriffen auf den Iran.
Obwohl ein Friedensabkommen am 12. Juni 2026 angekündigt wurde, bleibt die Unsicherheit hoch.
Die EZB-Szenarien für Öl- und Gaspreise zeigen, dass selbst im milderen Szenario die Preise bis 2028 über dem Vorkriegsniveau bleiben.
Die Eurosystem-Mitarbeiterprojektionen vom Juni 2026 sehen aufgrund des Iran-Krieges ein geringeres Wachstum und eine höhere Inflation im Euroraum.
Die Inflation könnte bis 2028 über dem Zwei-Prozent-Ziel verharren, insbesondere im adversen und schweren Szenario.
Die Terms-of-Trade des Euroraums haben sich seit Kriegsbeginn verschlechtert, erholen sich aber nach dem Friedensabkommen leicht.
Breite Inflationsdynamik und Arbeitsmarkt
Höhere Energiekosten belasten das Verbrauchervertrauen und den privaten Konsum, insbesondere bei Energie, Wohnen und Nahrungsmitteln.
Das Wachstum wird jedoch durch staatliche Investitionen, insbesondere in Deutschland für Verteidigung und Infrastruktur, sowie durch den globalen KI-Boom gestützt.
Die Gewinnerwartungen der Unternehmen, gemessen am S&P 500 und STOXX Europe 600, sind seit Jahresbeginn gestiegen.
Der Arbeitsmarkt bleibt widerstandsfähig: Die Arbeitslosenquote ist niedrig und die Beschäftigung hoch, obwohl die Arbeitsnachfrage nachlässt.
Engpässe bei der Arbeitskräfteversorgung bleiben ein limitierender Faktor für die Produktion.
Der Energieschock kann sich über direkte und indirekte Kosteneffekte, Erwartungen sowie Lohn- und Preisdynamiken in breitere Inflationsdynamiken einspeisen.
Lieferkettenengpässe, gemessen am Global Supply Chain Pressure Index und den Lieferzeiten im Euroraum, verstärken diese Effekte.
Die Inflation bei Nahrungsmitteln, Industriegütern und Dienstleistungen ist mit Aufwärtsrisiken konfrontiert, da Produzenten höhere Inputpreise weitergeben.
Inflationsbekämpfung bleibt Priorität
Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass die Inflation hartnäckiger sein könnte als erhofft, insbesondere durch externe Schocks.
Die EZB wird ihre Politik datenabhängig gestalten müssen, um eine Verankerung der Inflationserwartungen zu gewährleisten.
Eine weitere Straffung der Geldpolitik scheint unter diesen Umständen wahrscheinlich, um das Zwei-Prozent-Ziel mittelfristig zu erreichen.
Quelle: Isabel Schnabel: Is inflation back?
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