Schnabel: Geopolitik treibt Inflation und bremst Wachstum
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel warnt vor den weitreichenden Folgen geopolitischer Fragmentierung für die Geldpolitik. Sie sieht erhöhte Inflationsrisiken und gedämpftes Wachstum als direkte Konsequenzen globaler Spannungen.
Fragmentierung statt Globalisierung
Die jüngsten EZB-Stabsprojektionen vom März 2026 zeigen ein düsteres Bild für die Eurozone: geringeres Wachstum und höhere Inflation, maßgeblich beeinflusst durch den Iran-Krieg.
Isabel Schnabel betonte, dass die Weltwirtschaft einen fundamentalen Wandel von der Globalisierung zur Fragmentierung durchläuft, was sich in steigender Handelspolitik-Unsicherheit widerspiegelt.
Trotz dieser externen Schocks zeigte sich die Eurozone bislang resilient, gestützt durch eine robuste Binnennachfrage und starke Arbeitsmärkte.
Die Arbeitslosenquote und die Beschäftigungszahlen blieben im vierten Quartal 2025 stabil.
Allerdings belasten die zunehmende chinesische Konkurrenz und die Verschiebung globaler Handelsmuster die Exportleistung der Eurozone.
Die EU versucht, dem durch den Ausbau von Freihandelsabkommen entgegenzuwirken, um die Vorteile des Binnenmarktes besser zu nutzen.
Energiepreise und Inflationsrisiken
Geopolitische Schocks, wie der Iran-Krieg, treiben die Energiepreise in die Höhe und verschlechtern die Terms of Trade der Eurozone.
Dies hat weitreichende Folgewirkungen auf andere Rohstoffmärkte, wie die Preisentwicklung bei Düngemitteln und Aluminium zeigt.
Besonders herausfordernd sind die steigenden Gaspreise für die Eurozone, angesichts niedriger Gaslagerbestände.
Die Inflationserwartungen haben sich deutlich nach oben verschoben, und die mittelfristigen Risiken sind nun aufwärtsgerichtet.
Auch der erwartete Leitzinspfad der EZB hat sich nach oben verschoben und ist mit deutlich mehr Unsicherheit behaftet, was die Komplexität der geldpolitischen Steuerung in diesen Zeiten unterstreicht.
Die Zerreißprobe der Geldpolitik
Die Geldpolitik steht vor einer Zerreißprobe, da geopolitische Spannungen die Inflation hartnäckiger machen und das Wachstum bremsen.
Angesichts struktureller Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und dem Klimawandel, die das Potenzialwachstum dämpfen, sind höhere Ausgaben für Verteidigung und Zinslasten kaum tragbar.
Umso wichtiger ist es, interne Handelsschranken abzubauen und das Potenzial von Technologien wie Künstlicher Intelligenz zur Steigerung der Gesamtproduktivität voll auszuschöpfen.