Schnabel: Zentralbanken müssen Preisstabilität in Zeiten von Angebotsschocks und KI sichern
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel betonte in ihrer Rede in New York, dass duale Mandate selten zu fundamental unterschiedlichen geldpolitischen Entscheidungen führen. Sie hob hervor, dass Zentralbanken in einer Ära häufiger Angebotsschocks die Preisstabilität glaubwürdig sichern müssen.
Gleiche Politik trotz unterschiedlicher Mandate
Isabel Schnabel argumentiert, dass die Unterscheidung zwischen einem einfachen und einem dualen Mandat in der Praxis oft unerheblich ist.
Bei nachfragebedingten Schwankungen führen beide Mandate zu derselben geldpolitischen Reaktion, da sinkende Inflation und steigende Arbeitslosigkeit eine Lockerung erfordern, während überhitzte Nachfrage eine Straffung verlangt.
Dies wird als „göttliche Koinzidenz“ bezeichnet.
Selbst bei einem Zielkonflikt, wie während der Pandemie, reagierten Zentralbanken weltweit vergleichbar energisch, um die Preisstabilität wiederherzustellen, auch wenn dies höhere Arbeitslosigkeit bedeutete.
Die EZB ist nicht gleichgültig gegenüber Beschäftigungsergebnissen, aber die Unterstützung für Beschäftigung ist an die Preisstabilität geknüpft.
Ohne Preisstabilität kann maximale Beschäftigung nicht nachhaltig aufrechterhalten werden.
Häufigere Angebotsschocks erschweren Geldpolitik
Die Pandemie hat gezeigt, dass häufigere Angebotsschocks die Geldpolitik erschweren.
Die Phillips-Kurve ist nicht mehr flach, und Inflation kann schnell wieder aufkommen, getrieben durch Engpässe und Energieschocks.
Eine zu starke Betonung der Beschäftigung kann die Inflationskontrolle erschweren, da in engen Arbeitsmärkten Angebotsschocks stärker auf Preise und Löhne durchschlagen und Zweitrundeneffekte auslösen können.
Zudem verlieren expansive Politiken an Wirksamkeit, sobald die Wirtschaft ihr Potenzial erreicht hat, da dann Angebotsengpässe dominieren und weiterer Nachfragestimulus die Beschäftigung nicht nachhaltig steigern kann.
Schnabel verwies auf die jüngste Eskalation des Konflikts im Iran als Beispiel für die Anfälligkeit der Weltwirtschaft.
Geduld und Glaubwürdigkeit sind das A und O
Schnabels Rede unterstreicht die anhaltende Priorität der Preisstabilität, selbst wenn Rufe nach einer stärkeren Berücksichtigung der Beschäftigung lauter werden.
Sie liefert eine klare Absage an eine voreilige Lockerung und betont die Notwendigkeit, die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken in einem volatilen Umfeld zu wahren.
Für die EZB bedeutet dies, datenabhängig zu bleiben und sich nicht von kurzfristigen Schwankungen ablenken zu lassen, um das mittelfristige Inflationsziel zu sichern.