Neuer Makro-Finanz-Index für Eurozone: Bessere Prognosen für Wirtschaft
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Neuer Makro-Finanz-Index für Eurozone: Bessere Prognosen für Wirtschaft

Drei Ökonomen der EZB stellen einen neuartigen Finanzkonditionenindex (FCI) für die Eurozone vor. Dieser Makro-Finanz-FCI soll die geldpolitische Ausrichtung präziser messen und übertrifft bestehende Indizes bei Inflations- und Output-Prognosen.

Einheitliches Modell für Makro-Finanz-Feedback

Das Working Paper präsentiert ein neuartiges Vektor-Autoregressions-Modell (VAR), das makroökonomische Variablen und Finanzvariablen in einem einzigen Makro-Finanz-FCI zusammenführt.

Die Koeffizienten des VAR-Modells und die Gewichtungen des FCI werden in einem Schritt gemeinsam geschätzt, was ein modellkonsistentes Makro-Finanz-Feedback gewährleistet.

Der vom Modell implizierte langfristige Mittelwert des Index dient als neutrale Benchmark, auf die die Finanzbedingungen konvergieren, wenn die Inflation das Ziel erreicht und die Produktion ihr Potenzial ausschöpft.

Für die Eurozone integriert der vorgeschlagene FCI neun Assetpreise – darunter risikofreie Zinssätze, Staatsanleihen-Spreads, Risiko-Assets und den Wechselkurs – und weist den nominalen Zinssätzen eine dominante Rolle zu.

Der neue Index übertrifft bestehende Indizes bei Out-of-Sample-Prognosen für Inflation und Output.

Eine strukturelle Identifikation von Angebots-, Nachfrage- und Finanzschocks zeigt, dass Finanzbedingungen bis zu einem Jahr benötigen, um sich auf die Realwirtschaft auszuwirken, und fast zwei Jahre auf die Inflation.

Vorteile gegenüber bestehenden Indizes

Bestehende Finanzkonditionenindizes (FCIs) stehen vor Herausforderungen, da sie entweder kein Feedback von makroökonomischen Variablen einbeziehen oder dies nur inkonsistent tun.

Die neue Methode löst dies durch einen kohärenten, einstufigen Schätzansatz innerhalb eines Makro-Finanz-VAR-Rahmens.

Dies ermöglicht eine klare Interpretation und volle Transparenz.

Während andere FCIs Finanzbedingungen oft nur mit einer Makrovariable verknüpfen, kann die neue Methode mehrere relevante makroökonomische Variablen gleichzeitig berücksichtigen.

Das VAR-Setup liefert zudem einen modellimplizierten, unbedingten Mittelwert als Benchmark für die langfristige Konvergenz der Variablen.

Der Index ist so konzipiert, dass er eine Einheit und Skala ähnlich einem Leitzins aufweist und kann als breitere Messgröße der geldpolitischen Ausrichtung interpretiert werden.

Ein wichtiger Schritt für die Analyse

Dieser neue Makro-Finanz-FCI stellt einen signifikanten methodischen Fortschritt dar, indem er das komplexe Zusammenspiel von Makro- und Finanzvariablen kohärent abbildet.

Seine überlegene Prognosefähigkeit für Inflation und Output sowie die transparente Konstruktion machen ihn zu einem wertvollen Instrument für Zentralbanken.

Obwohl er die Analyse präzisiert, dürfte sein Einfluss auf die unmittelbare geldpolitische Entscheidungsfindung eher inkrementell sein, da bestehende Indizes bereits ähnliche Richtungssignale liefern.