Importzölle senken Inflation: Geldpolitik kann Effekte abfedern
ECB Decoder Read in English

Importzölle senken Inflation: Geldpolitik kann Effekte abfedern

Importzölle anderer Länder senken die Inflation und schwächen das Wachstum in der Eurozone. Die EZB-Analyse zeigt: Die Geldpolitik kann diese Effekte abfedern, da betroffene Sektoren stark auf Zinsänderungen reagieren.

Importzölle bremsen Eurozonen-Wirtschaft

Importzölle, die von anderen Ländern erhoben werden, führen tendenziell zu einer niedrigeren Inflation und einem schwächeren Wachstum in der Eurozone.

Zwar können Zölle einerseits die Kosten entlang globaler Wertschöpfungsketten erhöhen und damit die Inflation anfachen.

Andererseits reduzieren sie die Nachfrage nach Exportprodukten und können durch Exportumlenkung die Preise senken.

Eine aktuelle EZB-Analyse, basierend auf sogenannten 'Tariff-related Trade Surprises' (TTS), zeigt, dass für die Eurozone die nachfrageseitigen Effekte überwiegen.

Dies führt mittelfristig zu einem Rückgang der Inflation und einer Abschwächung der Wirtschaftsaktivität.

Konkret sinkt das Verbraucherpreisniveau etwa anderthalb Jahre nach einem TTS, das die Eurozonen-Exporte in die USA um 1 Prozent reduziert, um rund 0,1 Prozent.

Auch die Industrieproduktion geht in diesem Zeitraum zurück.

Handelsschocks: Die verborgene Dynamik

Die EZB-Analyse identifiziert sogenannte 'Tariff-related Trade Surprises' (TTS) durch einen zweistufigen Ansatz.

Zunächst wird ein 'Gravitationsmodell' genutzt, um das erwartete Handelsvolumen zu schätzen und unerklärte Abweichungen als 'Handelsüberraschungen' zu definieren.

Diese werden dann mit US-Zolländerungen auf Eurozonen-Waren verknüpft, um zollbedingte Überraschungen zu isolieren.

Die Studie zeigt auch sektorale Unterschiede: 'Downstream-Sektoren' wie Maschinenbau und Automobilindustrie, die Endprodukte herstellen, spüren den Höhepunkt der Auswirkungen ein bis zwei Jahre nach einem TTS.

'Upstream-Sektoren', die Vorleistungen produzieren, wie die Chemieindustrie, sind hingegen oft sofort betroffen.

Geldpolitik als effektiver Puffer

Die Studie liefert einen wichtigen Hinweis für die Geldpolitik: Obwohl Importzölle die Wirtschaft dämpfen, kann die EZB durch Zinsanpassungen gegensteuern.

Die Erkenntnis, dass besonders betroffene Sektoren sensitiv auf Zinsänderungen reagieren, stärkt das Instrumentarium der Zentralbank.

Dies unterstreicht die Flexibilität der Geldpolitik, auch auf externe Schocks wie Handelstarife zu reagieren.