De Guindos: Nahost-Konflikt beeinflusst Wachstum und Inflation
EZB-Vizepräsident Luis de Guindos warnt vor den starken Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf Wachstum und Inflation im Euroraum. Er betont die Datenabhängigkeit der EZB und die Notwendigkeit fiskalischer Vorsicht.
Konflikt beeinflusst Wachstum und Inflation
EZB-Vizepräsident Luis de Guindos betont die starken Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf Wachstum und Inflation im Euroraum.
Die EZB-Projektionen gehen im Basisszenario von einem Höhepunkt der Energiepreise im zweiten Quartal 2026 aus, gefolgt von einem starken Rückgang.
Selbst in den schwerwiegendsten Szenarien erwartet die EZB keine Rezession, sondern weiterhin positives Wachstum.
De Guindos unterstreicht den datenabhängigen Ansatz der EZB und die sorgfältige Analyse von Gesamt- und Kerninflation sowie Inflationserwartungen.
Die EZB sei bereit, bei Bedarf zu reagieren, um Zweitrundeneffekte zu verhindern, die durch eine dauerhafte Preissteigerung entstehen könnten.
Eine Festlegung auf einen bestimmten Zinspfad lehnt er ab und verweist auf die nächste EZB-Ratssitzung im April, bei der weitere Daten zum Konflikt als Hauptquelle der Unsicherheit vorliegen werden.
Fiskalische Vorsicht und Europas Autonomie
De Guindos mahnt Regierungen zur Vorsicht bei fiskalischen Reaktionen auf den Konflikt.
Er empfiehlt temporäre, zielgerichtete Maßnahmen für die am stärksten betroffenen Gruppen, anstatt pauschaler Steuersenkungen.
Die fiskalische Kapazität sei begrenzt, mit einem durchschnittlichen Defizit von 3 Prozent des BIP und einer Staatsverschuldung nahe 90 Prozent des BIP.
Die Märkte zeigten zwar eine leichte Erhöhung der Staatsanleiherenditen, deuteten aber nicht auf einen lang anhaltenden oder kostspieligen Konflikt hin.
De Guindos betont die Notwendigkeit einer größeren europäischen Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten, insbesondere in den Bereichen Verteidigung und Zahlungsmethoden.
Die Einführung des digitalen Euro sei entscheidend für die strategische Autonomie Europas, da er eine zusätzliche Zahlungsoption biete.
Europas doppelte Herausforderung
De Guindos' Interview verdeutlicht Europas doppelte Herausforderung: externe Schocks wie den Nahost-Konflikt zu managen und gleichzeitig interne strukturelle Schwächen anzugehen.
Seine Betonung von Datenabhängigkeit und fiskalischer Vorsicht unterstreicht den schmalen Grat, auf dem sich die Politik bewegt.
Der Vorstoß für den digitalen Euro, als strategische Notwendigkeit dargestellt, offenbart eine tiefere Sorge um die europäische Souveränität.
Quelle: Luis de Guindos: Interview with El Mundo
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