De Guindos: Vorsicht bei Zinsentscheid, Sorge um Fiskalraum
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De Guindos: Vorsicht bei Zinsentscheid, Sorge um Fiskalraum

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos mahnt zur Vorsicht bei der nächsten Zinsentscheidung. Er verweist auf den Iran-Konflikt, schwächere Wachstumsdaten und begrenzte Fiskalspielräume.

Vorsicht ist die Mutter der Zinspolitik

Luis de Guindos betont, dass die aktuelle Situation sich von den Inflationsschocks 2021/22 unterscheidet, da die Geldpolitik restriktiver ist und der Bilanzabbau läuft.

Er warnt vor voreiligen Zinsentscheidungen aufgrund des Iran-Konflikts und erwarteter schwacher Wachstumsdaten.

"Die Auswirkungen auf das Wachstum werden in den kommenden Wochen viel sichtbarer werden," so de Guindos.

Er hebt hervor, dass Finanzmärkte den Konflikt bisher ruhig aufgenommen haben, was positiv sei, da eine starke Neubewertung der Vermögenswerte schädlich wäre.

Die Lohnentwicklung und Inflationserwartungen seien bisher stabil.

Er kritisiert, dass akademische Diskussionen in der Vergangenheit Entscheidungen verzögert hätten und in der Zentralbank pragmatische Entscheidungen getroffen werden müssen.

Er sieht die Inflation als geringeres Risiko als in den Jahren 2021/22.

Einheit im Rat, Sorge um Fiskalraum

EZB-Vizepräsident de Guindos betont die Wichtigkeit eines geeinten EZB-Rats für institutionelles Vertrauen, auch wenn dies Entscheidungen verzögern kann.

Er äußert sich besorgt über den begrenzten Fiskalraum im Euroraum, insbesondere angesichts steigender Verteidigungsausgaben und der Notwendigkeit von Energieschock-Maßnahmen.

Dies könnte die Haushaltslage vieler Länder verschlechtern und das Risiko steigender Anleiherenditen sowie sich ausweitender Spreads bergen, was eine geldpolitische Straffung durch die Märkte bedeuten würde.

Das Transmissionsschutzinstrument (TPI) sei jedoch nie zur Aktivierung diskutiert worden.

Zudem thematisiert de Guindos die Herausforderungen der deutschen Wirtschaft, wie die Fragmentierung des Bankensektors, und befürwortet grenzüberschreitende Bankenkonsolidierung.

Er kritisiert nationale Interventionen bei Bankenfusionen als schädlich für die Glaubwürdigkeit der Kapitalmarktunion.

Abschied mit Mahnung zur Realität

De Guindos' Abschiedsinterview ist eine klare Mahnung an die EZB, sich nicht in einem Elfenbeinturm zu isolieren und Entscheidungen nicht durch übermäßige akademische Debatten zu verzögern.

Seine Betonung von "Prudence" angesichts multipler Krisen und die Sorge um den Fiskalraum zeigen eine realistische Einschätzung der Herausforderungen.

Die Forderung nach mehr Einheit und pragmatischem Handeln im EZB-Rat könnte als sein zentrales Vermächtnis verstanden werden.

Quelle: Luis de Guindos: Interview with Financial Times

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