Europas Zahlungsverkehr: Abhängigkeit von internationalen Anbietern wächst
Ein neuer EZB-Bericht zeigt, dass Europas Zahlungsverkehr zunehmend von internationalen Kartensystemen und ausländischen Prozessoren dominiert wird. Dies wirft Fragen zur strategischen Autonomie der EU auf.
Karten dominieren, nationale Systeme schrumpfen
Kartenzahlungen haben sich mit 70 Milliarden Transaktionen im Jahr 2023 als dominierende elektronische Zahlungsmethode in der EU etabliert, was 54 Prozent aller bargeldlosen Transaktionen ausmacht.
Im Euroraum entfielen 2022 rund 61 Prozent der Kartenzahlungen auf internationale Kartensysteme, während nationale Systeme die restlichen 39 Prozent stellten.
Die Anzahl der nationalen Kartensysteme in der EU ist auf nur noch neun gesunken, weniger als 2018.
Dies ist unter anderem auf die Reklassifizierung eines spanischen Systems als Clearing-System und den Ausschluss kleinerer französischer Systeme zurückzuführen.
In 13 Ländern des Euroraums wird der gesamte Kartenzahlungsverkehr ausschließlich über internationale Systeme abgewickelt.
In den verbleibenden Ländern verzeichnen die bereits wenigen nationalen Systeme einen anhaltenden Rückgang ihrer Marktanteile im Inland.
Diese Entwicklung unterstreicht eine wachsende Abhängigkeit von externen Anbietern im europäischen Zahlungsverkehrsmarkt.
Ausländische Kontrolle bei Schlüssel-Prozessoren
Im Bereich der Kartenabwicklung sind in der EU vier große grenzüberschreitende Unternehmen unter insgesamt 80 Anbietern aktiv.
Während Prozessoren, die nur in einem Mitgliedstaat tätig sind, mehrheitlich in EU-Besitz sind, werden jene, die in mehreren Ländern operieren, typischerweise auch von Nicht-EU-Investoren kontrolliert.
Deutschland und Schweden weisen die größte Anzahl von Prozessoren auf, deren Eigentümer in den Vereinigten Staaten ansässig sind.
Diese Konzentration und die Präsenz ausländischer Anteilseigner bei den wichtigsten Prozessoren verdeutlichen Abhängigkeiten, die Europas Zahlungs-Souveränität beeinträchtigen.
Der Bericht betont die Notwendigkeit, diese Trends genau zu beobachten und anzugehen, um die strategische Autonomie Europas im Zahlungsverkehr sicherzustellen.
Weckruf für Europas Zahlungs-Souveränität
Der Bericht legt eine kritische Schwachstelle in Europas Finanzinfrastruktur offen.
Obwohl Kartenzahlungen unverzichtbar sind, birgt die wachsende Abhängigkeit von Nicht-EU-Entitäten langfristige Risiken für die strategische Autonomie und Resilienz.
Die Politik muss nun über die reine Beobachtung hinausgehen und konkrete Maßnahmen zur Förderung eigenständiger europäischer Zahlungslösungen ergreifen.