Margins als Frühwarnsystem für CCPs: Stabilität durch frühe Ausfälle
Eine neue EZB-Studie zeigt, dass Margins für zentrale Gegenparteien (CCPs) als Frühwarnsystem dienen können. Sie ermöglichen es, fragile Gegenparteien durch gezielte Margin Calls frühzeitig ausfallen zu lassen und so die Risikoteilung im Finanzsystem zu erhalten.
Kanarienvögel im Kohlebergwerk der CCPs
Zentrale Gegenparteien (CCPs) nutzen Margins nicht nur zur Absicherung von Verlusten, sondern auch als Frühwarnsystem.
Eine neue Studie der EZB zeigt, dass gezielte Margin Calls finanziell fragile Marktteilnehmer dazu bewegen können, frühzeitig auszufallen, noch bevor Derivatekontrakte fällig werden.
Dieser 'frühe Ausfall' ist vorteilhaft, da er der CCP ermöglicht, die Positionen der fragilen Mitglieder auf gesündere Marktteilnehmer zu übertragen.
Dadurch wird die Risikoteilung im System aufrechterhalten und die Gefahr kaskadierender Ausfälle bei Fälligkeit der Kontrakte reduziert.
Die Analyse hebt hervor, dass Margins, der Ersatz von Gegenparteien und die Verlustteilung komplementäre Instrumente des Risikomanagements sind, die sich gegenseitig verstärken.
Wenn das System wackelt
Die optimale Anwendung dieser Risikomanagement-Instrumente hängt vom Grad der Fragilität im Finanzsystem ab.
Bei geringer Fragilität genügen Mechanismen zur Verlustteilung unter den verbleibenden Clearing-Mitgliedern.
Werden jedoch mehr Marktteilnehmer fragil, können Margins, die einen frühen Ausfall provozieren, systemstabilisierend wirken.
Die Studie stellt die gängige Ansicht infrage, dass prozyklische Margins in Stressphasen destabilisierend wirken.
Unter bestimmten Bedingungen können höhere Margins die Finanzstabilität verbessern, indem sie CCPs ermöglichen, fragile Akteure zu identifizieren und durch gesündere zu ersetzen.
Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines großen Pools an potenziellen Ersatz-Gegenparteien, ein Aspekt, der in aktuellen Regulierungsrahmen oft vernachlässigt wird.
Mehr als nur Sicherheit
Diese Forschung liefert eine wichtige neue Perspektive auf die Rolle von Margins im Finanzsystem.
Sie fordert eine Neubewertung der Margin-Kalibrierung, die über die reine Verlustdeckung hinausgeht und den stabilisierenden Effekt früher Ausfälle berücksichtigt.
Für Regulierungsbehörden bedeutet dies, dass restriktive Obergrenzen für Margin-Erhöhungen in Stressphasen unbeabsichtigt das Systemrisiko erhöhen könnten.
Quelle: Margins as canaries in the coal mine
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