EZB-Rat: Zinsen bleiben länger stabil, Wachstum resilient
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EZB-Rat: Zinsen bleiben länger stabil, Wachstum resilient

Der EZB-Rat sieht die Zinsen in der Eurozone auf absehbare Zeit stabil. Die Erwartung weiterer Zinssenkungen im Jahr 2026 ist laut dem Protokoll der Dezember-Sitzung vom Tisch, da die Wirtschaft resilienter ist als erwartet.

Märkte erwarten stabile Zinsen bis 2027

Seit der letzten EZB-Sitzung im Oktober 2025 hat sich die Markterwartung verfestigt, dass die EZB-Zinsen 'in einer guten Position' sind.

Eingehende Daten stützten die Annahme, dass die Inflation mittelfristig nahe dem 2-Prozent-Ziel bleiben und die Eurozone nahe ihres Potenzials wachsen wird.

Erwartungen an weitere Zinssenkungen sind verschwunden; Märkte und Umfragen rechnen mit einer längeren Phase stabiler Leitzinsen.

Jenseits von 2026 wird der nächste geldpolitische Schritt der EZB laut Marktpreisen und Umfragen eine Zinserhöhung sein, die 2027 oder 2028 erwartet wird.

Die robustere Wachstumsaussicht der Eurozone war der Haupttreiber für diese Änderung der Zinserwartungen.

Makroökonomische Daten überraschten 2025 meist positiv, und die Auswirkungen der US-Handelszölle erwiesen sich als milder als angenommen.

Dies spiegelte sich auch in der resilienten globalen Wirtschaftsaktivität wider.

Die zehnjährige nominale OIS-Rate der Eurozone stieg seit Oktober um 26 Basispunkte, hauptsächlich getrieben durch höhere Realzinsen.

Die Finanzbedingungen haben sich seit Juni 2025 stabilisiert und spiegeln die Leitzinsen wider.

Inflation auf Kurs, neue Risiken im Blick

Die Gesamtinflation im Euroraum verharrte im November bei 2,1 Prozent.

Die Dezember-Projektionen des Eurosystems sehen die Gesamtinflation bei durchschnittlich 2,1 Prozent (2025), 1,9 Prozent (2026), 1,8 Prozent (2027) und 2,0 Prozent (2028), wobei die Kerninflation bis 2027 auf 1,9 Prozent sinken soll.

Indikatoren der zugrunde liegenden Inflation sind konsistent mit dem 2-Prozent-Ziel.

Das Lohnkostenwachstum verlangsamte sich im dritten Quartal auf 3,4 Prozent.

Die Eurozone wuchs im dritten Quartal um 0,3 Prozent, getragen von Konsum und Investitionen, wobei der Dienstleistungssektor dominierte.

Der Bericht hebt zudem Risiken durch die zunehmende Exposition von Eurozonen-Haushalten gegenüber US-Aktienmärkten hervor, insbesondere im Technologiebereich.

Eine Korrektur in diesem Segment könnte erhebliche Folgen für die Haushalte der Eurozone haben und auch die Anleihemärkte beeinflussen, da US-Hyperscaler-Schuldverschreibungen andere festverzinsliche Anlagen verdrängen könnten.

Stabilität als neue Normalität

Das Protokoll bestätigt eine klare Verschiebung der geldpolitischen Erwartungen: Die EZB hat ihre Lockerungsphase beendet und bereitet den Markt auf eine längere Phase stabiler oder steigender Zinsen vor.

Die robuste Wirtschaft und die hartnäckige Dienstleistungsinflation rechtfertigen diese Haltung, auch wenn neue Risiken wie die AI-Exposition von Privatanlegern aufkommen.

Für Anleger bedeutet dies, dass die Suche nach Rendite in einem Umfeld ohne weitere Zinssenkungen neu bewertet werden muss.

Quelle: Meeting of 17-18 December 2025

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