Krieg im Nahen Osten verschiebt EZB-Zinserwartungen
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Krieg im Nahen Osten verschiebt EZB-Zinserwartungen

Der EZB-Rat diskutierte die Folgen des Krieges im Nahen Osten. Steigende Energiepreise verschieben die Inflations- und Zinserwartungen der Märkte deutlich nach oben.

Energiepreisschock trifft Finanzmärkte

Isabel Schnabel eröffnete die Sitzung mit der Feststellung, dass die Zeit nach der letzten EZB-Sitzung in zwei Phasen unterteilt werden kann: eine Phase geringer Volatilität und hoher Risikobereitschaft vor dem Krieg im Nahen Osten, gefolgt von erhöhter Volatilität und Ausverkäufen an den Aktien- und Anleihemärkten nach Kriegsbeginn.

Brent-Rohölpreise stiegen über 100 US-Dollar pro Barrel, ähnlich den Niveaus nach der russischen Invasion 2022.

Die Futures-Kurve zeigte zunächst eine starke Backwardation, was auf eine schnelle Umkehr hindeutete, doch diese Erwartungen wurden später zurückgenommen.

Die Marktreaktionen, insbesondere bei den Zinserwartungen, waren stärker als historisch üblich.

Im Gegensatz zu früheren Energieschocks, bei denen Anleger negative Wachstumseffekte einpreisten, dominierten diesmal die inflationären Auswirkungen, was eine Straffung der Geldpolitik erforderlich machte.

Projektionen unter Kriegs-Schatten

Philip Lane präsentierte die jüngsten Wirtschafts- und Währungsentwicklungen.

Der Krieg im Nahen Osten erhöhte die Unsicherheit erheblich, mit Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für die Produktion.

Die Gesamtinflation im Euroraum stieg im Februar auf 1,9 Prozent, die Kerninflation auf 2,4 Prozent.

Das Lohnwachstum verlangsamte sich im vierten Quartal 2025 auf 3,7 Prozent.

Die März-Projektionen, die Informationen bis zum 11. März berücksichtigten, sahen die Gesamtinflation für 2026 bei 2,6 Prozent (plus 0,7 Prozentpunkte gegenüber Dezember) und die Kerninflation bei 2,3 Prozent (plus 0,1 Prozentpunkte).

Kurzfristige Inflationserwartungen stiegen, stabilisierten sich aber mittelfristig bei 2 Prozent.

Inflationsgespenst kehrt zurück

Der Krieg im Nahen Osten hat die geldpolitische Landschaft der EZB fundamental verändert.

Die Verschiebung der Markterwartungen von Wachstumssorgen hin zu dominanten Inflationsrisiken ist ein kritischer Wendepunkt.

Dieses Protokoll signalisiert eine deutlich restriktivere Haltung, wodurch Zinssenkungen in naher Zukunft unwahrscheinlicher werden und sogar weitere Straffungen bei anhaltendem Energieschock denkbar sind.

Quelle: Meeting of 18-19 March 2026

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