Zentralbanken: Kommunikation präzise steuern bei Vertrauenslücke
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Zentralbanken: Kommunikation präzise steuern bei Vertrauenslücke

Zentralbanken können Markterwartungen gezielt steuern, indem sie die Präzision ihrer Kommunikation anpassen. Eine neue Studie zeigt, dass dies besonders wichtig ist, wenn die Marktmeinung über das Vertrauen der Notenbank von deren tatsächlicher Einschätzung abweicht.

Vertrauen und Ruf: Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­lü­cke

In unserer Studie ist 'Vertrauen' das Gegenteil der Unsicherheit der Zentralbank bezüglich des wahrscheinlichsten Wirtschaftsergebnisses.

Die 'Reputation für Vertrauen' ist hingegen die Markteinschätzung dieses Vertrauens, basierend auf der Genauigkeit vergangener Prognosen.

Das Modell beschreibt ein Kommunikationsspiel zwischen Zentralbank und Märkten, bei dem die Zentralbank ein 'verrauschtes Signal' über einen Wirtschaftsschock erhält.

Die Präzision der Kommunikation wird durch zwei Dimensionen bestimmt: die 'Spanne' der möglichen Wirtschaftssituationen und die 'Anzahl' der Entwürfe alternativer Aussagen.

Ein hohes Vertrauen oder eine niedrige Reputation erfordert eine Anpassung der Präzision, um Marktüber- oder -unterreaktionen zu vermeiden.

Von der Theorie zur Fed-Praxis

Die Studie testete ihre Theorie anhand interner Kommunikationsdokumente der Federal Reserve (Fed), den sogenannten 'Tealbooks'.

Die 'Anzahl' der alternativen Entwürfe und die 'Spanne' der möglichen Wirtschaftsszenarien wurden analysiert.

Die Reputation der Fed wurde durch die Häufigkeit von Unsicherheitswörtern in der Zeitungsberichterstattung über geldpolitische Diskussionen quantifiziert.

Die Daten bestätigen weitgehend die Modellvorhersagen: Die Kommunikationspräzision ist höher, wenn das Vertrauen der Zentralbank hoch oder ihre Reputation niedrig ist.

Die Fed passt die Präzision an, um die Marktreaktion auf ihre Reputation zu kompensieren, wenn auch weniger stark als das Modell vorhersagt.

Gezielte Unschärfe als Strategie

Die Studie liefert eine neue Begründung für bewusst unpräzise Zentralbank-Kommunikation, um erwartete Missverständnisse der Märkte zu korrigieren.

Dies ist ein raffiniertes Instrument, um Marktüberreaktionen oder -unterreaktionen zu steuern, wenn die interne Sicherheit der Notenbank von ihrer externen Reputation abweicht.

Für die Europäische Zentralbank bleibt die empirische Frage offen, inwieweit sie diese Strategie bereits anwendet.