EZB: Kreditlücke im Euroraum schließt sich schleppend
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EZB: Kreditlücke im Euroraum schließt sich schleppend

Die Kreditvergabe im Euroraum erholt sich seit Juni 2024 nur allmählich. Ein neuer EZB-Blogpost zeigt: Die Kreditlücke zum langfristigen Trend ist zwar weiterhin negativ, aber geringer als traditionelle Modelle annehmen.

Kreditlücke: Erholung verläuft schleppend

Seit die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni 2024 mit Zinssenkungen begann, erholt sich die Kreditvergabe an den privaten nicht-finanziellen Sektor nur allmählich.

Historisch betrachtet ist das aktuelle Kreditwachstum schwach und übertrifft nur knapp die Erholungen nach der globalen Finanz- und Staatsschuldenkrise.

Alle wichtigen externen Finanzierungsquellen für Unternehmen – Eigenkapital, Handelskredite sowie Bank- und Nichtbankenkredite – bleiben unterdurchschnittlich.

Die Kredit-BIP-Lücke, die das aktuelle Kreditniveau im Vergleich zum langfristigen Trend misst, ist ein Indikator dafür, ob das Wachstum ausreicht, um eine Erholung zu stützen.

Diese Lücke wurde 2021 positiv, fiel aber schnell wieder ins Negative und hat sich seither nicht erholt.

Ein von der EZB bevorzugter Ansatz, der makroökonomische Beziehungen einbezieht, zeigt jedoch eine signifikant kleinere, wenn auch immer noch negative Kreditlücke als traditionelle Modelle.

Bremsspuren: Zyklisch und strukturell

Die anhaltend negative Kreditlücke wird von zyklischen und strukturellen Faktoren beeinflusst.

Zyklisch wirken die Nachwirkungen des geldpolitischen Straffungszyklus 2022-23, der das Kreditwachstum erheblich verlangsamte.

Höhere Risikowahrnehmungen, steigende Bankrefinanzierungskosten und strengere Eigenkapitalanforderungen bremsen die Kreditvergabe zusätzlich.

Auch erhöhte Unsicherheit, etwa durch handelspolitische Spannungen, belastet die Kreditdynamik.

Strukturell tragen Verschiebungen im Konsumverhalten weg von langlebigen Gütern hin zu Dienstleistungen sowie zunehmende Investitionen in immaterielle Vermögenswerte, die weniger Sicherheiten bieten, zur gedämpften Kreditnachfrage bei.

Demografische Trends, die die Nachfrage nach Wohnraum und langlebigen Gütern mindern, verstärken diesen Effekt.

Komplexität statt einfacher Formel

Dieser Blogpost liefert eine differenzierte Perspektive auf die Kreditentwicklung im Euroraum.

Er zeigt auf, dass traditionelle Messmethoden die aktuelle Kreditlücke möglicherweise überschätzen, während gleichzeitig tiefgreifende zyklische und strukturelle Faktoren die Erholung bremsen.

Für die Geldpolitik bedeutet dies, dass die Transmission komplexer ist als oft angenommen und eine genaue Beobachtung der zugrunde liegenden Treiber unerlässlich bleibt.

Quelle: Mind the gap: credit dynamics in the euro area

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