Strukturwandel verändert Geldpolitik-Transmission
Ein neues EZB Occasional Paper analysiert, wie strukturelle Veränderungen die Transmission der Geldpolitik im Euroraum beeinflussen. Es zeigt, dass die Wirkung der Geldpolitik stark vom Zustand der Wirtschaft abhängt.
Geldpolitik wirkt zustandsabhängig
Das EZB Occasional Paper Nr. 393 fasst die Forschung des ESCB ChaMP Netzwerks zur Wechselwirkung von Strukturwandel und Geldpolitik-Transmission zusammen.
Die Studie zeigt, dass die Wirkung der Geldpolitik im Euroraum effektiv ist, aber stark vom Zustand der Wirtschaft abhängt.
So reagieren dienstleistungsintensive Ökonomien schwächer auf geldpolitische Straffung, da Dienstleistungen weniger physisches Kapital benötigen und stärker von langfristigen Verträgen geprägt sind.
Umgekehrt verstärken hohe Inflation oder erhöhte Verschuldung die Transmission, wodurch Preis- und Lohnentwicklungen stärker auf geldpolitische Straffung reagieren.
Dies erklärt, warum die jüngste Disinflation im Euroraum schneller und mit geringeren Produktionskosten erfolgte als historisch erwartet.
Auch Finanzierungshemmnisse und Produktionsnetzwerke beeinflussen die Transmission, wobei kleine, bankenabhängige Firmen stärker betroffen sind.
Angebotseffekte und grüne Transformation
Das Papier ist Teil einer Reihe von fünf Occasional Papers, die die Forschung des ChaMP Netzwerks zusammenfassen.
Dieses Netzwerk der Europäischen Zentralbank (EZB) und nationaler Zentralbanken untersuchte die geldpolitische Transmission angesichts beispielloser Schocks und struktureller Veränderungen wie Digitalisierung und Klimawandel.
Die Forschung zeigt, dass Geldpolitik auch die Angebotsseite beeinflusst: Eine Straffung schwächt Innovationen und kann die Ressourcenallokation verschlechtern.
Zudem wirkt sich die Geldpolitik unterschiedlich auf kohlenstoffintensive ('braune') und energieeffiziente ('grüne') Sektoren aus.
'Braune'
Sektoren sind anfälliger für höhere Finanzierungskosten, während 'grüne' Firmen von Lockerungen profitieren können.
Komplexität erfordert Präzision
Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse über die zunehmende Komplexität der geldpolitischen Transmission.
Sie unterstreicht, dass eine 'One-size-fits-all'-Geldpolitik in einer sich wandelnden Wirtschaft nicht mehr ausreicht.
Für Zentralbanken bedeutet dies, ihre Reaktionen noch präziser auf die Art und Quelle der Schocks abzustimmen.