Geldpolitik: Multiple Finanzierungsengpässe beeinflussen Wirkung asymmetrisch
Eine neue EZB-Studie zeigt, dass multiple Finanzierungsengpässe die Transmission der Geldpolitik asymmetrisch beeinflussen. Lockerungen wirken gedämpft, während Straffungen verstärkt werden – eine Erklärung für ein langjähriges geldpolitisches Rätsel.
Asymmetrie durch multiple Fesseln
Die Studie untersucht den Kreditkanal der Geldpolitik unter der Annahme, dass Unternehmen mehreren Finanzierungsengpässen gleichzeitig gegenüberstehen – ein empirisch belegtes Phänomen.
Die Theorie zeigt, dass diese Multipolarität die Transmission expansiver Geldpolitik auf Kreditaufnahme und Investitionen dämpft, während sie die Wirkung von Straffungen verstärkt.
Diese Asymmetrie entsteht, weil bei einer Straffung der am stärksten reagierende Engpass bindet, bei einer Lockerung hingegen der am wenigsten reaktionsschnelle.
Unternehmen mit mehreren engen Beschränkungen erleben nach einer Zinserhöhung größere Rückgänge bei Kreditaufnahme und Investitionen.
Bei Zinssenkungen zeigen sie hingegen eine gedämpfte Reaktion.
Dieser Mechanismus verstärkt die Effekte von Straffungen und mildert die von Lockerungen, was die bekannte Beobachtung erklärt, dass geldpolitische Straffungen stärkere Auswirkungen haben als Lockerungen.
Empirische Belege aus den USA
Die Forscher untermauern ihre Thesen mit US-Firmendaten und einem quasi-natürlichen Experiment, das eine Änderung der Rechnungslegungsvorschriften (ASC 842) nutzt.
Diese Änderung führte zu einer exogenen Verschärfung von schuldenbasierten Covenants.
Die Analyse zeigt, dass finanziell eingeschränkte Unternehmen ihre externe Finanzierung und Investitionen bei kontraktiven Schocks deutlich stärker reduzieren.
Bei expansiven Schocks hingegen erhöhen sie diese wesentlich weniger.
Dieser Effekt ist besonders ausgeprägt bei Unternehmen mit mehreren engen Beschränkungen.
Die Ergebnisse stützen die Vorhersage, dass kontraktive Schocks Unternehmen „an der Leine ziehen“, während expansive Schocks eher einem „Schieben an der Leine“ gleichen.
Die Mechanismen wurden zudem in ein New Keynesianisches Modell eingebettet, das die asymmetrischen Reaktionen quantifiziert.
Ein Schlüssel zum alten Rätsel
Diese Studie liefert eine überzeugende Erklärung für die oft beobachtete asymmetrische Wirkung der Geldpolitik.
Die Erkenntnis, dass die Verteilung der Finanzierungsengpässe entscheidend ist, eröffnet neue Perspektiven für die makroökonomische Modellierung.
Für Zentralbanken bedeutet dies, dass die Wirksamkeit ihrer Instrumente stark vom Finanzierungsstatus der Unternehmen abhängt.