Geldpolitik: Asymmetrie durch multiple Finanzierungsengpässe
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Geldpolitik: Asymmetrie durch multiple Fi­nan­zie­rungs­eng­päs­se

Geldpolitische Straffung wirkt stärker als Lockerung – ein Rätsel. Eine EZB-Studie erklärt die Asymmetrie durch multiple Finanzierungsengpässe von Unternehmen.

Engpässe dämpfen Lockerung, verstärken Straffung

Die asymmetrische Wirkung der Geldpolitik, bei der Straffungen stärkere Effekte als Lockerungen zeigen, ist ein bekanntes Phänomen.

Dieser Artikel der EZB untersucht die geldpolitische Transmission in einem Umfeld, in dem Unternehmen mit multiplen Finanzierungsengpässen konfrontiert sind – ein häufiges Merkmal der Unternehmensfinanzierung.

Die Theorie zeigt, dass die Vielzahl der Engpässe die Transmission einer expansiven Geldpolitik auf die Kreditaufnahme und Investitionen von Unternehmen erheblich dämpft.

Gleichzeitig wird die Transmission einer geldpolitischen Straffung verstärkt.

Diese Asymmetrie entsteht, weil bei einer Straffung der am stärksten reagierende Engpass bindet, während bei einer Lockerung der am wenigsten reaktionsfähige Engpass die Ausweitung der Kreditaufnahme begrenzt.

Die empirischen Daten stützen diese Vorhersagen.

Im Rahmen eines Standard-New-Keynesianischen Modells ist der Rückgang der Gesamtinvestitionen nach kontraktiven monetären Schocks doppelt so groß wie der Anstieg nach expansiven Schocks gleicher Größe.

Vielfältige Fesseln für Un­ter­neh­mens­fi­nan­zie­rung

Unternehmen sehen sich oft mit mehreren Finanzierungsbeschränkungen konfrontiert, wenn sie Kredite von Banken oder an Kapitalmärkten aufnehmen.

Dazu gehören gesetzlich bindende Limits für ausstehende Schulden im Verhältnis zu Finanzkennzahlen wie EBITDA oder Free Cash Flow, aber auch zu Vermögenswerten.

Weitere Beschränkungen beziehen sich auf die Kosten des Schuldendienstes (z.B. Zinsdeckungsgrad) oder die Fälligkeit von Verbindlichkeiten.

Diese Limits sollen die Solidität des Geschäftsmodells und der Bilanz sicherstellen.

Eine Analyse von US-Daten zeigt, dass etwa 65 Prozent der nicht-finanziellen Unternehmen zwei oder mehr 'enge' Finanzierungsengpässe haben, die kurzfristig zu einer Überschreitung der Limits führen könnten.

Solche Bedingungen werden in Standardmaßen oft nicht erfasst.

Prudent bei Straffung, forciert bei Lockerung

Diese Studie liefert eine robuste Erklärung für das langjährige Rätsel der asymmetrischen geldpolitischen Transmission.

Ihre Erkenntnisse legen nahe, dass eine vorsichtigere Haltung bei geldpolitischer Straffung und eine entschlossenere bei Lockerung sinnvoll sein könnte.

Dies hat direkte Implikationen für die Kommunikation und Kalibrierung der Zentralbankpolitik.

Quelle: Monetary policy under multiple financing constraints

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