Integrierte Aufsicht für Europas Kapitalmärkte gefordert
ECB Paper Read in English

Integrierte Aufsicht für Europas Kapitalmärkte gefordert

Eine aktuelle EZB-Studie deckt die hochkomplexe und fragmentierte Aufsichtsarchitektur für Europas Kapitalmärkte auf. Sie fordert eine stärkere Integration der Aufsicht auf EU-Ebene, um Effektivität und Effizienz zu steigern.

52 Behörden, 16 Modelle: Europas fragmentierte Aufsicht

Die Aufsichtslandschaft für Europas Kapitalmärkte ist hochgradig fragmentiert.

Eine neue EZB-Studie zeigt, dass die EU 52 nationale Behörden und 16 verschiedene organisatorische Modelle für die Finanzaufsicht aufweist.

Diese Komplexität, die historische Entscheidungen und nationale Arrangements widerspiegelt, steht im starken Kontrast zur integrierten Natur der heutigen Finanzmärkte.

Während die Bankenaufsicht durch den Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) zentralisiert wurde, bleibt die Kapitalmarktaufsicht überwiegend national.

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) spielt hauptsächlich eine Rolle bei der Regulierung und Konvergenz der Aufsicht, übt aber nur begrenzte direkte Aufsicht über wenige Entitäten aus.

Diese Architektur ist im Vergleich zu anderen großen Volkswirtschaften, wie den Vereinigten Staaten, auffallend komplex, was ihre Effektivität und Effizienz beeinträchtigt.

Die Studie argumentiert, dass diese institutionelle Fragmentierung zunehmend den Marktrealitäten widerspricht, da die Kapitalmärkte grenzüberschreitender und integrierter geworden sind.

Vier Vorteile durch EU-weite Integration

Eine stärkere Zentralisierung der Aufsicht auf EU-Ebene würde die Effektivität, Effizienz und Konsistenz verbessern und gleichzeitig Hindernisse für die Ziele der Spar- und Investitionsunion (SIU) beseitigen.

Nationale Aufsichtsbehörden haben oft keinen vollständigen Überblick über grenzüberschreitende Spillover-Effekte.

Divergierende Aufsichtspraktiken und die Umsetzung von EU-Regeln sowie komplexe Koordinierungsmechanismen erhöhen die Compliance-Kosten für grenzüberschreitend tätige Unternehmen und untergraben gleiche Wettbewerbsbedingungen.

Eine integrierte EU-Aufsicht würde die Risikoerkennung und -minderung stärken, die Koordination verbessern, die Komplexität reduzieren und eine konsistente Anwendung des einheitlichen Regelwerks gewährleisten.

Dies würde unnötige Barrieren für die Marktintegration beseitigen.

Überfällig, aber kein Allheilmittel

Die Studie liefert eine überfällige Analyse der Aufsichtsfragmentierung, doch eine integrierte Aufsicht allein ist kein Allheilmittel für die Kapitalmarktunion.

Sie ist jedoch eine kritische Voraussetzung, um die seit Langem bestehende Fragmentierung im Binnenmarkt anzugehen.

Für den Erfolg sind weitere Harmonisierungen in Bereichen wie Gesellschaftsrecht und Insolvenzrecht unerlässlich, auch wenn diese komplex und zeitaufwendig sind.