Pandemie-Inflation im Euroraum: Politik kein Haupttreiber, aber Faktor
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Pandemie-Inflation im Euroraum: Politik kein Haupttreiber, aber Faktor

Eine neue EZB-Studie analysiert die Inflation im Euroraum während der Pandemie. Sie zeigt, dass ein Mix aus Angebots- und Nachfragefaktoren die Teuerung antrieb, während die Geld- und Fiskalpolitik eine Rolle spielten, aber nicht die dominanten Treiber waren.

Mix aus Angebot und Nachfrage treibt Teuerung

Die Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) identifiziert eine Kombination aus Angebots- und Nachfragefaktoren als Ursache für den Inflationsanstieg im Euroraum während der Pandemie.

Akkommodierende Fiskal- und Geldpolitik trugen demnach etwa 1,5 Prozentpunkte zum Inflationshöhepunkt bei, wobei die Fiskalpolitik 0,6 Prozentpunkte und die Geldpolitik 0,9 Prozentpunkte verantwortete.

Echte Energieversorgungsengpässe erhöhten die Spitzeninflation um rund 2,4 Prozentpunkte, während nicht-politische Nachfrage- und Nicht-Energie-Angebotsfaktoren weitere 3 Prozentpunkte beitrugen.

Die Forscher nutzten ein Bayessches Vektor-Autoregressionsmodell (BVAR) mit Daten von Januar 2007 bis Juni 2024, um diese komplexen Dynamiken zu analysieren und die relativen Beiträge der einzelnen Schocks zu quantifizieren.

Frühere Straffung hätte hohe Kosten verursacht

Die Studie widerlegt die Annahme, dass akkommodierende Politik die Hauptursache der Pandemie-Inflation war.

Ein hypothetisches früheres Straffen der Geldpolitik hätte die Spitzeninflation im Euroraum zwar von 10 auf 8,5 Prozent reduziert, jedoch erhebliche Produktionsverluste von durchschnittlich 3,6 Prozentpunkten Wirtschaftswachstum verursacht.

Zudem zeigt die Analyse, dass nur etwa 15 Prozent des 30-prozentigen Anstiegs der Energiepreisinflation auf echte Energieversorgungsengpässe zurückzuführen sind.

Die verbleibende Hälfte wurde maßgeblich von Nachfragefaktoren, sowohl politisch induzierten als auch nicht-politischen, angetrieben.

Diese Erkenntnisse relativieren die Rolle der Energieversorgung als alleiniger Kostentreiber.

Überfällig, aber nicht revolutionär

Die Studie liefert endlich eine detaillierte Quantifizierung der Inflationsursachen, die lange spekulativ diskutiert wurden.

Methodisch überzeugt die BVAR-Analyse durch ihren umfassenden Ansatz, der verschiedene Schocktypen berücksichtigt.

Für die geldpolitische Praxis bleibt die Kernbotschaft, dass die EZB nicht allein für die Pandemie-Inflation verantwortlich war, aber auch nicht untätig bleiben konnte.